Ach, wäre das schön: Einfach regelmäßig Kaffee trinken und täglich einen strafferen Körper und neue Muskeln im Spiegel entdecken …

Ganz so einfach ist es leider nicht. Mediziner der Guangxi Medical University in Nanning (China) haben kürzlich geprüft, ob es einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und der Masse an Skelettmuskulatur gibt. Zur Info: Skelettmuskeln sind die an den Knochen befestigten Muskeln, die – im weitesten Sinne – für die Bewegung zuständig sind. Wie es sich anfühlt, wenn die schwächeln, merken vor allem Menschen mit Bandscheiben-Problemen, deren Wirbelsäule nicht durch ein starkes Korsett aus Skelettmuskeln stabilisiert wird.

In einer Querschnittsstudie (Cross-sectional survey), die im Fachjournal „Frontiers in Nutrition“ publiziert wurde, werteten die Forscher zu dieser Frage die Gesundheitsdaten von 8.333 Probanden aus der NHANES Bevölkerungsstudie (= National Health and Nutrition Examination Survey) aus. Mithilfe einer speziellen Röntgentechnik (DXA-Scans) und der Erfassung des BMI wurde die Skelettmuskelmasse der Probanden ermittelt und diese täglich zu ihrem Speiseplan und Kaffeekonsum befragt. Daraus errechneten die Forscher die Nährstoff-und Koffein-Aufnahme. Nicht-Kaffee-Trinker bildeten die Vergleichsgruppe, der Rest wurde nach der Menge der Koffein-Aufnahme in drei Gruppen aufgeteilt.

Ergebnis der Datenanalyse aus sieben Jahren: Im Vergleich zu den Kaffee-Abstinenzlern wies die Gruppe mit dem höchsten Kaffeekonsum deutlich mehr und ausgeprägtere Skelettmuskeln auf. Das galt aber nur für Probanden mit einem BMI von unter 30.

Wie genau regt denn nun das belebende Heißgetränk Muskeln zum Wachsen an? Das ist nicht ganz geklärt. Zum einen, so vermuten die Autoren, wirken Polyphenole und Koffein aus Kaffee entzündungshemmend und antioxidativ, was dem Muskelabbau entgegenwirken kann. Möglich sei auch eine verstärkte Autophagie – eine Art Recycling-Prozess in Körperzellen, bei dem Zellmüll abgebaut und wiederverwertet wird. Laut Tierversuchen lassen sich diese Aufräumarbeiten in Skelettmuskelzellen dosisabhängig verstärken und so ein Muskelabbau bremsen.

Pro-Tipp: Am besten nach dem morgendlichen Hallo-Wach-Kaffee die Turnschuhe schnüren und eine Runde durch den Park laufen oder ins Gym traben. Dann werden die Erneuerungsprozesse in den Zellen und das Muskelwachstum gleich doppelt gut angeregt.

Mehr über Autophagie und Muskeln lesen Sie auch hier: https://www.strunz.ch/optimales-fasten-kein-eiweissshake-und-auch-kein-bulletproof-kaffee.html


Quelle: https://www.frontiersin.org/journals/nutrition/articles/10.3389/fnut.2024.1390309/full#h3


Über die Autorin:


Marion Meiners ist ausgebildete Verlagskauffrau und Journalistin und arbeitete viele Jahre für Zeitschriften als Redakteurin für Gesundheit und Ernährung. Zusammen mit Labor-Professor Hans-Peter Seelig schrieb sie das Buch „Laborwerte klar und verständlich“.
Ihre Begeisterung für Medizinthemen entdeckte sie in frühen Berufsjahren, nachdem ihr eine Verwandte einen Pschyrembel schenkte. Seither heißt ihr digitales „Wohnzimmer“ PubMed und die Faszination für die Ursachen-Fahndung bei Krankheiten sowie die Effekte von Ernährung und Lebensstil auf die Gesundheit hält an.

Das sagt sie über ihre Tätigkeit:

„Alles hängt mit allem zusammen im Körper. Das ist leider in unserer „Schubladen“-Medizin noch nicht so ganz angekommen. Ein Nährstoffmangel kann etwa ebenso fatale Auswirkung auf alle Organsysteme haben wie z.B. ein kranker Zahn. Umgekehrt kann schon eine veränderte Zusammenstellung der Makro-oder Mikronährstoffe in der Ernährung gigantische therapeutische Effekte entfalten. Welche, und wie gut belegt diese sind – darüber möchte ich informieren.“


Das Bild zeigt ein Porträt der News-Autorin Marion Meiners.