In einer der letzten News hatte ich über Sarkopenie bei Frauen ab der Perimenopause geschrieben, also den zunehmenden Verlust von Muskelmasse und Kraft ab etwa dem 40. Lebensjahr. Das klang vielleicht so, als handle es sich um einen stillen, weitgehend schmerzlosen Prozess des Muskelabbaus – vergleichbar mit der Osteoporose im Knochen. Eine Sarkopenie verläuft tatsächlich nicht zwingend schmerzhaft – aber auch nicht immer „still“. Zwar steht medizinisch der Verlust von Muskelmasse, Kraft und Funktion im Vordergrund. In der Praxis geht dieser Prozess jedoch häufig mit muskuloskelettalen Beschwerden einher, die in der Perimenopause ohnehin sehr häufig sind.

Mit dem Beginn der Perimenopause, meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr, verändert sich der Hormonhaushalt bekanntermaßen drastisch. Die Produktion der Hormone Östrogen, Progesteron und Testosteron nimmt tendenziell ab, während ihre Spiegel gleichzeitig für einige Jahre starken Schwankungen unterliegen. Diese Hormone wirken auch auf das Immunsystem und die Gesundheit von Muskeln, Knorpeln und Sehnen.

Östrogenrezeptoren finden sich beispielsweise in den Synovialzellen der Gelenke sowie in den Chondrozyten des Knorpels. Sinkt der Östrogenspiegel, verändern sich daher auch entzündliche Prozesse und die Stabilität des Bewegungsapparates. Viele Frauen bemerken dies durch Schmerzen in Schultern, Knien oder Händen, durch steife Gelenke am Morgen oder eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit.

Medizinerinnen und Mediziner haben im Jahr 2024 einen neuen Begriff geprägt: Das muskuloskelettalen Menopause-Syndrom. Dieser Begriff beschreibt eine Reihe von Beschwerden, die während der hormonellen Umstellung gehäuft auftreten. Dazu gehören unter anderem:

  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • häufigere Sehnen- und Bandverletzungen
  • Schultersteifigkeit („Frozen Shoulder“)
  • zunehmende Arthrose

Diese Symptome können einzeln auftreten oder miteinander kombiniert sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Studien zufolge sind etwa ein Viertel der betroffenen Frauen im Alltag deutlich eingeschränkt.

Die hormonellen Veränderungen der Menopause beeinflussen auch klassische rheumatische Erkrankungen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der rheumatoiden Arthritis, einer Autoimmunerkrankung, die Frauen etwa dreimal so häufig betrifft wie Männer. Auffällig ist, dass der Erkrankungsgipfel genau in die Altersphase fällt, in der viele Frauen in die Menopause eintreten. In der Postmenopause scheint das Risiko für die rheumatoide Arthritis sogar anzusteigen. Große epidemiologische Studien zeigen, dass Frauen in der Postmenopause ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko haben.

Auch andere Erkrankungen der Gelenke, wie Gicht oder Hämochromatose treten bei Frauen häufig erst nach der Menopause in Erscheinung. Das deutet darauf hin, dass Geschlechtshormone auch hier eine schützende Rolle spielen könnten.

Der Zusammenhang zwischen Hormonen und Rheuma liegt vor allem im Immunsystem. Östrogene können entzündungsfördernde Immunzellen hemmen und gleichzeitig regulatorische Mechanismen stärken, die überschießende Entzündungen dämpfen. Progesteron wirkt ebenfalls überwiegend entzündungshemmend, während Androgene (Testosteron) die Produktion bestimmter entzündlicher Botenstoffe ebenfalls reduzieren können.

Wenn diese Hormone in der Postmenopause abnehmen, entwickelt sich im Körper häufig ein stärker entzündungsförderndes Milieu. Das kann bereits bestehende rheumatische Erkrankungen verschlechtern und zugleich das Risiko erhöhen, dass sie erstmals auftreten. Deshalb ist es wichtig, Gelenkbeschwerden ernst zu nehmen und frühzeitig Unterstützung zu suchen. Viele Frauen neigen leider dazu, solche Beschwerden als bloße „Alterszipperlein“ abzutun.

Dabei gilt: Je früher eine rheumatische Erkrankung erkannt wird, desto besser lassen sich Beschwerden beeinflussen – etwa mit Bewegungstherapie, entzündungshemmenden Maßnahmen oder, in geeigneten Fällen, auch mit einer bioidentischen Hormonersatztherapie.



Quellen:

Harvard Health (2025): Musculoskeletal syndrome of menopause: When menopause makes you ache all over. https://www.health.harvard.edu/womens-health/musculoskeletal-syndrome-of-menopause-when-menopause-makes-you-ache-all-over

Wright VJ, Schwartzman JD, Itinoche R, Wittstein J. The musculoskeletal syndrome of menopause. Climacteric. 2024 Oct;27(5):466-472. doi: 10.1080/13697137.2024.2380363. Epub 2024 Jul 30. PMID: 39077777.



Über die Autorin:

"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.

Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.


Das Bild zeigt ein Porträt der News-Autorin Kyra Kauffmann.