Wann wachsen Sie über sich selbst hinaus? Wann stellen Sie Ihre persönlichen Rekorde auf? Sicher nicht, wenn Sie gerade allein Sport treiben.

Jeder kennt dieses Phänomen bis zu einem gewissen Grad: Sie leisten mehr, wenn Sie unter Beobachtung stehen. Der psychologische Effekt dahinter heißt „Social Facilitation“, frei ins Deutsche übersetzt ist damit soziale Leistungssteigerung gemeint. Also die Leistungssteigerung während der Anwesenheit anderer.


Zur, natürlich rein hypothetischen, Einordnung:

Schonmal beim Sport mehr investiert, weil das andere Geschlecht oder der eigene Schwarm zugesehen hat?
Sie verstehen.


Die Universität Münster hat das Phänomen der Social Facilitation mit einer großen Meta-Analyse auf Basis der Studienlage der letzten 100 Jahre untersucht. Die Studie „Moving in the presence of others – a systematic review and meta-analysis on social facilitation“, wurde 2022 publiziert.

Die Studie weist nach, dass Social Facilitation einen kleinen bis moderaten Einfluss auf das menschliche Leistungsvermögen hat. Dabei handelt es sich jedoch um einen gemittelten Gesamteffekt über unterschiedliche motorische Aufgaben und Messgrößen hinweg. Denn der Effekt fällt je nach Art der motorischen Tätigkeit sehr unterschiedlich aus. Während die Leistung bei konditionellen Belastungen, also Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit, durch die Anwesenheit Anderer stark gesteigert wird, schwindet diese bei anspruchsvollen koordinativen Aufgaben, die Präzision und Technik voraussetzen.

Das können Sie sicher auch an sich selbst beobachten. Es leuchtet doch ein, dass Sie die „einfachen“, bereits verinnerlichten motorischen Abläufe auch unter der Anspannungssituation, beobachtet zu werden, sicher abrufen können. Die motorisch komplexeren, noch unerprobten Bewegungsabläufe können Sie nur unter voller Konzentration sicher durchführen. Befinden sich hier Dritte in der Form von Zuschauern mit im Raum, macht Ihnen die Nervosität einen Strich durch die Rechnung.

Im Wettkampfsport ist das nicht anders. Jede neue oder technisch anspruchsvolle Bewegungsform ist eine Herausforderung, wenn Sie außerhalb des sicheren Trainingsraumes ausgeführt wird. Und wie Sie wissen, können ausgefeilte technische Feinheiten in einem Bewegungsprozess schon oft den Weg zum Sieg ebnen. Ich denke nicht nur ans Schwimmen, wo Hydrodynamik bereits von feinsten Haltungsveränderungen beeinflusst wird, sondern auch an Ballsportarten, Tanzsport, dem Wechsel beim Triathlon oder Bewegungsfolgen im Turnen und der Leichtathletik. Die Liste ist unendlich lang.

Nur echte Perfektionisten schaffen dieses Meisterwerk von kognitivem Seiltanz so durchzuhalten, dass selbst tausende von Zuschauern das Leistungsvermögen nicht beeinträchtigen. Das einfachste Rezept dafür ist, die individuellen Abläufe vom hundertsten ins tausendste im Training indirekt zu wiederholen (Denn keiner hat Spaß daran, ein ganzes Training lang das Gleiche zu machen). Hier bitte aufgepasst, denn auch das Visualisieren der Bewegungen zählt zu der Wiederholungsanzahl dazu, weil dabei die exakt gleichen motorischen Gehirnzentren angesteuert werden, die auch für die echte Ausführung benötigt werden.

Abschließend kommen Sie um eine Wahrheit nicht herum: Das Leistungsvermögen kennt kein Sex-Appeal – die Motivation manchmal schon. Man könnte auch sagen: Die Evolution trainiert mit.



Quellen:

van Meurs E, et al. Moving in the presence of others: a systematic review and meta-analysis. Psychol Sport Exerc. 2022; doi:10.1080/1750984X.2022.2111663.




Über den Autor:

“Justus Mörstedt widmete sich bis zu seinem 14. Lebensjahr in seiner Freizeit dem Triathlon, bevor er sich endgültig auf sein Lieblingselement, das Wasser, fokussierte und Finswimmer wurde. Seit 2019 ist er Sportsoldat und studiert und trainiert im Leistungszentrum Leipzig.

Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: „Hier lebe ich meinen Traum: Leistungssport und Medizinstudium. Mich fasziniert es, das neu Erlernte im Sportleralltag in die Praxis umzusetzen und somit den oft trockenen Inhalten ein wenig Leben einzuhauchen.“

Diese Kombination macht sich bezahlt: im Juli 2024 wurde er zweifach Weltmeister. Über 200 m Streckentauchen hält er den Weltrekord. Falls Sie neugierig geworden sind, was Finswimming ist, sehen Sie sich in den News um, oder werfen eine beliebige Suchmaschine an!

Forever young wurde ihm mit seinem Einstieg in den Profisport sozusagen „in die Wiege gelegt“. Sein Trainer sagte immer: „Wer hier mitmachen will, muss mindestens ein Strunz-Buch gelesen haben.“ Zu Wettkämpfen verteilte er den Sportlern immer Vitamineral 32. Mit den Jahren in Leipzig hat sich in seinem 24 Jahre jungem Kopf so einiges zusammengesammelt, was er gerne mit Sportlerkollegen unter anderem hier in den News teilt. Dabei unterstützen wir als forever young ihn als Sponsor."


Das Bild zeigt ein Porträt des News-Autors und Finschwimmers Justus Mörstedt.