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Cholin und Acetylcholine
Ein Thema kommt immer mal wieder in meinen Beratungsgesprächen hoch und das ist die Versorgung mit Cholin bzw. sind eher die Auswirkungen einer Unterversorgung. Cholin wurde einst als Vitamin B4 gesehen, jedoch sind wir Menschen in der Lage, kleine Mengen von Cholin selbst herzustellen. Trotzdem muss dieses Molekül über die Nahrung zugeführt werden, vor allem wenn man ein langsames PEMT-Enzym hat (siehe https://www.strunz.ch/das-low-carb-gen-pemt.html). Trotzdem hatte Cholin damit den Rang eines Vitamins verloren.
Als Ergänzung zu meinen PEMT-News möchte ich eine wichtige Information hinzufügen, die ich durch Peter Osborne gelernt habe. Es gibt einen zweiten SNP für die Cholin-Eigenproduktion, den rs12325817, der gerade für Frauen bei Einsetzen der Menopause interessant und wichtig ist. Denn in der Studie von Steven Zeisel hat das Team herausgefunden, dass gerade Frauen in Postmenopause große Probleme bekommen, wenn sie dieses SNP besitzen und zu wenig Cholin zu sich nehmen. Um das herauszufinden, hat das Team 57 erwachsene Teilnehmer für 42 Tage auf eine Ernährung gesetzt, die sehr arm an Cholin war. Das Ergebnis war, dass 80 Prozent der Frauen in Postmenopause eine nicht-alkoholische Fettleber und messbare Muskelschäden entwickelt haben. Zum Vergleich: Nur 44 Prozent der Frauen, die noch nicht ihre Menopause erreicht hatten, entwickelten ähnliche Symptome. Doch das Thema betrifft nicht nur Frauen, denn eine Ernährung arm an Cholin hat auch bei 77 Prozent der Männer zu Symptomen geführt.
Woran konnte man diese Entwicklung festmachen? Der Leberwert Aspartat-Aminotransferase (kurz: AST oder GOT) und der Blutwert Creatinkinase (CK-Gesamt) hatten sich sehr deutlich verschlechtert.
Die Studie hatte zudem noch einen interessanten Fund: Sechs Männer entwickelten bereits in der zweiwöchigen Phase mit 550 mg Cholin (Tagesempfehlung in Amerika) die Symptome eines Cholinmangels. Für diese 6 Teilnehmer war bereits die Ernährung mit nur 550 mg Cholin zu wenig, so dass die Leberwerte wie auch wieder CK-Gesamt sich signifikant verschlechterten. Der AST-Wert stieg von normalen 26 auf 135 U/L und CK-Gesamt von 115 auf 9081 U/L. So viel zum Thema „tägliche Empfehlung“. Die DGE gönnt uns Deutschen sogar nur 400 mg Cholin pro Tag.
Was nehmen wir mit?
Cholin ist für Mann und Frau ein essentieller Nährstoff. Für Frauen steigt die Bedeutung massiv mit dem Einsetzen der Menopause, da der Östrogenspiegel sinkt und PEMT dadurch langsamer arbeitet, d. h. der Körper stellt weniger Cholin her. Doch auch für Männer ist Cholin von großer Bedeutung, vor allem wenn man fettreich isst. Es sei noch angemerkt, dass Cholin zwar auch in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Sojabohnen und Sonnenblumenkernen vorkommt. Ein wesentlich höherer Gehalt findet sich jedoch in Fleisch, Eiern und Leber.
Quellen:
Sex and menopausal status influence human dietary requirements for the nutrient choline, Steven H Zeisel et al., 2007, DOI: 10.1093/ajcn/85.5.1275
Common genetic polymorphisms affect the human requirement for the nutrient choline, Steven H Zeisel et al., 2006, DOI: 10.1096/fj.06-5734com
Über den Autor:
“Robert Krug beschäftigt sich seit 2016 intensiv mit dem Thema Gesundheit und Ernährung im Hinblick auf die Biochemie des Menschen. Seit 2019 veröffentlicht Robert Krug Bücher zu den Themen genetisch korrekte Ernährung und zur ganzheitlichen Betrachtung des Menschen. Doch lassen wir ihn selbst einmal zu Wort kommen, wie er seinen Weg zur Biochemie gefunden hat:
"Ich liebe es, Probleme zu lösen. Das wird mit ein Grund dafür gewesen sein, dass ich 1994 Wirtschaftsinformatik studiert und warum ich leidenschaftlich gern Software programmiert habe.
Mein Weg zur ganzheitlichen Medizin erfolgte aus der Not heraus, da ich in 2016 selbst erkrankte und von der Schulmedizin leider keine Hilfe bekam. So fing ich an, mich Stück für Stück mit meinen Problemen zu beschäftigen und zu lesen, um den Problemen auf den Grund zu gehen. Also das gleiche Vorgehen wie bei der Arbeit. Das war sozusagen der Start für mein inzwischen leidenschaftliches Interesse an der Biochemie und somit der Start meiner Reise."
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