Findet und verkündet ein Diabetologe, also ein Internist, der sich speziell mit Diabetes beschäftigt hat, in Deutschland. Für mich eine Sensation. Denn Diabetologen, also die Menschen, an welche sich der erkrankte Patient vertrauensvoll wendet,


täuschen, enttäuschen Sie …!


Behaupten nämlich heute noch, dass ein Diabetiker „essen solle wie ein normaler Mensch“, also „60 % Kohlenhydrate vertilgen solle“. Begründung? Ganz einfach: Die Tablette danach, die Insulinspritze richtet`s dann schon.


Bitte verzeihen Sie mir diesen ärgerlichen Ton. Nur: So wurde meine Mutter “behandelt“ von Diabetologen. In Erlangen. Die starb nicht an, sondern die wurde getötet vom erhöhten Zucker. Bekam – ich erinnere mich genau – präzise Anweisungen, wie viele BROTEINHEITEN sie tagtäglich zu sich nehmen solle.


Also leere Kohlenhydrate. Genau das Gift, an welchem meine Mutter verstorben ist.
Verstorben? Das stellen Sie sich immer so einfach vor: Erst wurde sie blind, dann versagten die Nieren, schlussendlich der Darm. Sie ahnen nicht, was das praktisch tagtäglich hieß.


Jetzt verstehen Sie vielleicht, weshalb „Diabetologe“, oder generell „Diabetes“ oder, wenn Sie wollen „massiv übergewichtig“ mich sehr, sehr unhöflich werden lassen.


Doch zurück: Oben sprach ich von Dr. Martin, 58, Chefarzt für Diabetologie in Düsseldorf. Der doch tatsächlich – man höre und staune! – ich zitiere


„… erforscht, wie man durch einen anderen Lebensstil einen gestörten Zuckerstoffwechsel normalisieren kann“.


Das sind gleich zwei Sensationen. Mitbekommen?


  • Der forscht. Was gibt es denn zu erforschen an dem schlichten Satz: Lassen Sie bitte den Müll weg (72 %, leere Kohlenhydrate)

  • Der kommt doch tatsächlich auf die Idee, dass man mit einem „anderen Lebensstil“ eine Krankheit verschwinden lassen kann. Ei gucke da! Immerhin. Für Deutschland fast eine Sensation. Das erste epigenetische Lehrbuch gibt’s seit 1999. Haben Millionen (!) von Ihnen … erstanden. Der Chefarzt wohl erst kürzlich.

Lassen Sie mich kurz ausatmen, die Schultern fallen lassen und dann weiter berichten: Leitsatz von Chefarzt Dr. Martin ist: „Fett in der Nahrung wird zu Unrecht verteufelt. Er spricht an den immer noch herrschenden Aberglauben in der Bevölkerung, dass zu viel Fett gegessen auch fett mache. Sehr richtig korrigiert er dieses falsche Urteil (nicht etwa Vorurteil …): Erst weist er darauf hin, dass


  • Sommer 2020 das American College of Cardiology klar gemacht hat, dass „böse“ gesättigte Fette und Herzinfarkt nichts miteinander zu tun hätten.

  • Und dann beantwortet er die Frage: „Wo kommt das Fett denn dann her?“: „VON DEN KOHELNHYDRATEN“.

Für Sie alle, liebe Leserinnen, liebe Leser eine banale Aussage. Sie wissen Bescheid. Nicht wissen Sie, dass 97% ihrer Mitmenschen genau hier immer noch im Dunklen tappen.

Diese News haben schlussendlich mit den folgenden fünf Worten (5!) zu tun. Auf die läuft der Text, auf die läuft Wissen, auf die läuft Gesundheit, Lebensenergie und Lebensglück schlussendlich hinaus. Denn Chefarzt Dr. Martin antwortet doch tatsächlich zu meinem großen Entzücken auf die SPIEGEL-Frage: „Welche Sorte von Kohlenhydraten halten Sie für bedenklich?“ Glatt:


„BROT NUDELN REIS KARTOFFELN ZUCKER“


Das wars auch schon. Meine tagtägliche Rede zu meinen tagtäglichen Patienten. Mit der tagtäglich immer gleichen Reaktion: die dann auch der SPIEGEL wie folgt formuliert:


„WOVON SOLL MAN NOCH SATT WERDEN?“


Tja. Dieser Einwand macht mich in jedem Fall sprachlos. Ich antworte Ihnen schon lange nicht mehr. Aus zwei Gründen.


  • Fällt mir immer und sofort ein, dass (angeblich) alle 8 Sekunden auf diesem Globus ein Kind verhungert. Und Sie … und SIE!!!

  • Die oben aufgezählten fünf schmutzigen Nahrungsmittel hat es vor 10.000 Jahren noch nicht gegeben. Den Menschen gibt es aber schon unendlich viel länger, oder? Und der war damals wohl ziemlich fit und zäh, zwangsläufig, oder?

PS: Dass Chefarzt Dr. Martin sogar Intervallfasten anspricht (als Diabetologe!!!), dass er selbst wenigstens auf das Frühstück verzichtet, macht ihn mir sympathisch.


Der normale Diabetologe verbietet Essenspausen. Wussten Sie das? „Weil dann der Blutzucker zu stark absinkt“. Wussten Sie das?


PS 2: Nicht schwätzen, messen, Vorbild sein. Gerade und besonders als Arzt. Meine erste Mahlzeit findet 18 Uhr statt. Tagtäglich. Mein Blutzuckerspiegel mittags oder nachmittags ist keinesfalls „zu tief gesunken“. Hat irgendeiner der klugen Diabetologen – die meine Mutter beraten haben – einmal bei sich selbst gemessen? Nö. Brauchen die auch nicht. Die haben ja studiert.

Quelle: Ein Interview im SPIEGEL Nr. 12/20.03.2021, Seite 105