Wer Spitzenleistungen erbringen will, ist neben der trainingswissenschaftlichen Infrastruktur und Betreuung auch abhängig von seinem sozialen Umfeld. Ist das eine Überraschung? Wir werden es sehen …

Wie ist das denn bei Ihnen? Wenn Sie sich anderen Aufgaben stellen und sich neue Ziele setzen? Aber auf dem Weg dahin keine Rückendeckung erfahren? Wenn Sie wissen, dass Ihre Freunde, Ihre Familie oder noch besser, Ihr Partner, das Vorhaben nicht unterstützt?

Diesen Zusammenhang hat kürzlich eine Querschnittsstudie der Universität Gießen in Zusammenarbeit mit der Universität Halle und der Sporthochschule Köln bei jungen Leistungssportlern untersucht. Die Forscher untersuchten Entzündungsmarker im Blut in Abhängigkeit von wahrgenommener sozialer Unterstützung und bestätigen, was wir aus dem Alltag kennen: Soziale Kontakte tun uns gut. Und noch mehr – sie beeinflussen das Entzündungsgeschehen unseres Körpers.

Die Autoren beschreiben diese Art der zwischenmenschlichen Interaktion als „biopsychosozialen Puffer“, der sich als Gegenspieler zu trainingsassoziierter Entzündungsaktivität herausstellt. Der Effekt ist umso stärker, wenn das Immunsystem stark gefordert ist. Heißt: Die positiven Auswirkungen der sozialen Unterstützung sind besonders nach intensiven Trainingseinheiten, bei hoher Trainingsfrequenz oder in Phasen unvollständiger Regeneration stark ausgeprägt.

Bitte richtig interpretieren! Das ist kein Freifahrtschein, um nach dem Motto „Wir regulieren unsere Entzündung!“ während eines Trainingslagers mit Freunden in die Kneipe zu gehen.

Denn bei der „sozialen Unterstützung“ geht es in der Studie nicht um die reale Anzahl von sozialen Kontakten, sondern um die wahrgenommene Unterstützung aus drei Quellen: Familie, Freunden und einer wichtigen Bezugsperson.

Es reicht also allein die subjektive Einschätzung einer Person, dass im unmittelbaren Umfeld Menschen zur Verfügung stehen, die in hochbelastenden Phasen für soziale Unterstützung sorgen könnten, um Regeneration, Prävention und Belastungssteuerung positiv zu regulieren. Schon das Wissen, nicht allein zu sein, reduziert die körperliche Belastungssituation messbar.

Brauchen wir für diese Erkenntnis eine Studie, wenn wir es doch eigentlich schon wissen: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“?

Während Volksweisheiten wie diese seit jeher beschreiben, dass soziale Unterstützung entlastet, zeigen Studien, wann und unter welchen Bedingungen sie biologisch relevant wird: insbesondere dann, wenn Stress, Trainingsdichte oder Alltagsbelastung hoch sind. Gerade im Leistungssport, im Beruf und in verdichteten Lebenswelten genügt es nicht mehr, Belastung nur über individuelle Härte, Disziplin oder Optimierung zu regulieren. Ein Umdenken ist notwendig. Dieser Realität habe ich im Laufe meiner Leistungssportkarriere oft erlebt. Zu oft musste mich mein Trainer zurückweisen, wenn ich im überambitionierten Leistungswahn immer noch einen drauflegen wollte. Erst heute verstehe ich, warum ein Heimaturlaub oder Zeit mit dem Partner manchmal einen wirksameren Effekt auf die Leistungsfähigkeit zeigten als schon wieder ein Trainingslager.

In kurz: Auch beim fanatischen Streben nach Perfektion („Höher, Schneller, Weiter“) sind die Ressourcen des Menschen erschöpflich. Wer Großes erreichen will, muss seinen Tank aus allen Quellen füllen.


Quelle:
Wiedenbrüg K, Musculus L, Hilpisch C, Hacker S, Krüger K.
Inflammation and perceived social support in elite athletes: a quantile regression approach. Neuroimmunomodulation. 2025. doi: 10.1159/000550042


Über den Autor:


“Justus Mörstedt widmete sich bis zu seinem 14. Lebensjahr in seiner Freizeit dem Triathlon, bevor er sich endgültig auf sein Lieblingselement, das Wasser, fokussierte und Finswimmer wurde. Seit 2019 ist er Sportsoldat und studiert und trainiert im Leistungszentrum Leipzig.

Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: „Hier lebe ich meinen Traum: Leistungssport und Medizinstudium. Mich fasziniert es, das neu Erlernte im Sportleralltag in die Praxis umzusetzen und somit den oft trockenen Inhalten ein wenig Leben einzuhauchen.“

Diese Kombination macht sich bezahlt: im Juli 2024 wurde er zweifach Weltmeister. Über 200 m Streckentauchen hält er den Weltrekord. Falls Sie neugierig geworden sind, was Finswimming ist, sehen Sie sich in den News um, oder werfen eine beliebige Suchmaschine an!

Forever young wurde ihm mit seinem Einstieg in den Profisport sozusagen „in die Wiege gelegt“. Sein Trainer sagte immer: „Wer hier mitmachen will, muss mindestens ein Strunz-Buch gelesen haben.“ Zu Wettkämpfen verteilte er den Sportlern immer Vitamineral 32. Mit den Jahren in Leipzig hat sich in seinem 24 Jahre jungem Kopf so einiges zusammengesammelt, was er gerne mit Sportlerkollegen unter anderem hier in den News teilt. Dabei unterstützen wir als forever young ihn als Sponsor."


Das Bild zeigt ein Porträt des News-Autors und Finschwimmers Justus Mörstedt.