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Mit Lebensstils-Veränderungen Schilddrüsenhormone aktivieren
Ein spezielles Enzym verwandelt das Speicherhormon T4 in das aktive Schilddrüsenhormon T3. Es heißt Typ2 Deiodinase, kurz DIO2. Erst T3 lässt jede Zelle wirklich aufwachen. Ohne diesen Schritt bleiben Stoffwechsel und Energie wie im Halbschlaf. Die Umwandlung von T4 zu T3 geschieht nicht nur in der Schilddrüse. Es passiert in Gehirn, Skelettmuskel, Fettgewebe, Herz, Leber und sogar in der Plazenta. Ein universelles Aktivierungswerkzeug also. Tragisch nur, dass gerade dieser Prozess empfindlich auf Mangel reagiert. Genauer gesagt auf einen Selenmangel.
Warum DIO2 so entscheidend ist
DIO2 ist ein Enzym. Enzyme bestehen aus Proteinen und brauchen oft ein kleines Extra um zu funktionieren. Bei DIO2 ist dieses Extra Selen. Tier- und Humanstudien zeigen klar, dass fortschreitender Selenmangel die Aktivität selenabhängiger Deiodinasen mindert. Damit sinkt die Fähigkeit T4 in T3 umzuwandeln. Laborarbeiten an Ratten zeigen reduzierte Deiodinaseaktivitäten in mehreren Organen. Besonders sensibel reagieren Schilddrüse sowie Arme und Beine von Föten und Neugeborenen. Wer also zu wenig Selen hat, riskiert eine träge Schilddrüsenachse, selbst wenn die klassischen Blutwerte noch halbwegs gut aussehen. Deiodinase Aktivität gilt inzwischen sogar als Marker für die Schwere eines Selenmangels.
Unbedingt Selen messen lassen
Selenmangel ist kein Randphänomen. Viele Menschen nehmen schlicht zu wenig davon auf. Das ist vermeidbar. Regelmäßig messen lassen und bei Mangel – selbst bei leichtem Mangel oder Werten im unteren Normbereich – gezielt auffüllen. Diese Korrektur verbessert die Aktivität der Deiodinasen. Damit läuft die T4 zu T3 Aktivierung wieder im natürlichen Rhythmus. Steigert Energie, Stoffwechsel, Stimmung und sogar Wärmegefühl. Ein winziger Mikronährstoff mit enormer Hebelwirkung.
Wie der Lebensstil DIO2 beeinflusst
DIO2 reagiert überraschend sensibel auf Umwelt und Verhalten. Der Körper passt seine Hormonaktivierung an Stress, Kälte, Bewegung und Ernährung an. Mehrere Faktoren steigern die DIO2 Aktivität und damit die lokale T3 Produktion in Muskel und Fettgewebe.
- Hochintensives Lauftraining steigert DIO2 im Skelettmuskel um das Zwei- bis Dreifache
- Fasten gefolgt von Nahrungszufuhr erhöht DIO2 in den Muskeln
- Kälte aktiviert braunes Fettgewebe und steigert dort DIO2 was die Wärmeproduktion verbessert
- Auch sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole) und Gallensäuren erhöhen DIO2. Die Produktion von Gallensäure wird wiederum durch den Verzehr von Fett sowie durch den Verzehr von grünem Gemüse und das Trinken von verdünntem Zitronensaft oder Apfelessig angeregt.
Es gibt allerdings auch Situationen in denen DIO2 herunterfährt. Kurzzeitfasten oder ein sehr niedriger Insulinspiegel wie er bei strenger ketogener Ernährung auftreten kann senken in Tiermodellen die DIO2 Aktivität in manchen Geweben. Solange fT3, fT4 und TSH im Normbereich bleiben sowie keine Symptome entstehen ist dieser Zustand jedoch unproblematisch. Der Körper stellt sich lediglich auf ein sparsameres Energiemanagement ein.
Quellen: Bates JM, Spate VL, Morris JS, St Germain DL, Galton VA. Effects of selenium deficiency on tissue selenium content, deiodinase activity, and thyroid hormone economy in the rat during development. Endocrinology. 2000 Jul;141(7):2490-500. doi: 10.1210/endo.141.7.7571. PMID: 10875250. Bocco BM, Louzada RA, Silvestre DH, Santos MC, Anne-Palmer E, Rangel IF, Abdalla S, Ferreira AC, Ribeiro MO, Gereben B, Carvalho DP, Bianco AC, Werneck-de-Castro JP. Thyroid hormone activation by type 2 deiodinase mediates exercise-induced peroxisome proliferator-activated receptor-γ coactivator-1α expression in skeletal muscle. J Physiol. 2016 Sep 15;594(18):5255-69. doi: 10.1113/JP272440. Epub 2016 Aug 18. PMID: 27302464; PMCID: PMC5023700.
Bradley D, Liu J, Blaszczak A, et al. Adipocyte DIO2 Expression Increases in Human Obesity but Is Not Related to Systemic Insulin Sensitivity. J Diabetes Res. 2018;2018:2464652. Published 2018 Jul 15. doi:10.1155/2018/2464652
Über die Autorin:
"Dr. Kristina Jacoby arbeitet seit 2014 Dr. U. Strunz bei der Erstellung seiner Bücher zu. Besonders fasziniert ist sie von den physiologischen Abläufen im Organismus sowie den Möglichkeiten diese mit Lebensstilveränderungen positiv zu beeinflussen.
Physiologie und Genetik waren ihre Schwerpunkte in ihrem Biologie-Studium, welches sie 2002 abschloss. Von 2004 bis 2010 studierte und promovierte sie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2008 beschäftigt sie sich intensiv mit Meditation und praktiziert täglich.
Das sagt sie selbst zu Ihrer Tätigkeit:
„Jede Krankheit basiert auf Schieflagen im Organismus, die man aufspüren und verändern kann. Davon bin ich überzeugt. Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die das bestätigen. Leider ist das Wissen noch nicht in den Arztpraxen angekommen. Daher möchte ich dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen von diesen Möglichkeiten der Heilung erfahren und in die Lage versetzt werden, sie umzusetzen.“"
