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Menopause, Gehirn und Hormonersatztherapie: Was sagt die neue Großstudie? (Teil 2)
Viele Frauen greifen zur Hormonersatztherapie (HET), um Wechseljahresbeschwerden abzumildern. In England nutzt sie etwa jede siebte Frau (15 %), in Deutschland hingegen nur etwa jede sechzehnte (6 %; Stand 2022). Oft ist damit die Erwartung verbunden, dass die Hormonbehandlung nicht nur körperliche Beschwerden, sondern auch psychische Belastungen (siehe auch vorheriger Newsletter) verringern kann.
Die Studie kommt hier allerdings zu einem nuancierteren Ergebnis. Überraschend ist: Frauen unter HET berichteten im Mittel über stärkere psychische Probleme als postmenopausale Frauen ohne HET. Das könnte auf den ersten Blick so wirken, als verschlechtere HET die Lage – eine Lesart, die in den letzten Wochen in den sozialen Medien teilweise schnell aufgegriffen wurde. Die Studienautoren betonen jedoch, dass eine solche Interpretation zu kurz greift.
Eine genauere Analyse ergab nämlich, dass Frauen, denen HET verschrieben wurde, bereits vor Beginn der Therapie höhere psychische Belastungen aufwiesen. Mit anderen Worten: HET wird möglicherweise häufiger Frauen verschrieben, die besonders stark unter Symptomen leiden, sowohl körperlich als auch psychisch. Die beobachteten Unterschiede könnten also auf bestehende Ausgangsunterschiede zurückzuführen sein und nicht auf die Wirkung der Therapie selbst.
In der Studie wurde nicht erfasst, welche konkrete Form der Hormonersatztherapie die Teilnehmerinnen verwendeten (z. B. Östrogen allein oder kombiniert, oral oder transdermal, Dosierung, bioidentisch oder nicht). Diese fehlenden Detaildaten nennen die Autoren auch als wichtige Einschränkung.
Die Studie zeigt damit vor allem eines: Die psychologischen Effekte von HET sind komplex und lassen sich nicht pauschal bewerten. Hier wären randomisierte klinische Studien notwendig, um kausale Effekte klarer zu bestimmen.
Neben der psychischen Gesundheit untersuchten die Forschenden jedoch auch strukturelle Veränderungen im Gehirn. Im Fokus standen zwei Regionen:
- Der mediale Temporallappen, wichtig für Gedächtnis und Emotionsverarbeitung, hier macht sich oft Alzheimer in sehr frühen Stadien bemerkbar
- Der anteriore cinguläre Cortex, beteiligt an Emotionsregulation, Entscheidungsfindung und kognitiver Kontrolle
Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen in der Postmenopause im Durchschnitt geringere Volumina der grauen Substanz in diesen Regionen aufwiesen als prämenopausale Frauen. Das deutet darauf hin, dass hormonelle Veränderungen möglicherweise auch strukturelle Anpassungen im Gehirn verursachen.
Interessanterweise zeigte die HET-Gruppe die geringsten Gehirnvolumina. Auch hier gilt jedoch: Die Forschenden betonen, dass dies nicht vorschnell als direkte Folge der HET verstanden werden sollte. Wahrscheinlicher ist, dass vorausgehende Unterschiede zwischen den Gruppen oder weitere Einflussfaktoren eine Rolle spielen. Denkbar ist zudem, dass bestimmte psychische Erkrankungen – je nach Ausprägung und Verlauf – mit Volumenveränderungen im Gehirn einhergehen und sich somit auch in der HET-Gruppe niederschlagen könnten, ohne dass die HET selbst die Ursache ist.
Die Studie liefert also keine dramatische Alarmbotschaft, aber sie unterstreicht die Relevanz der psychischen Gesundheit in der Postmenopause deutlich.
Zwei zentrale Erkenntnisse lassen sich festhalten:
- Die Wechseljahre sind messbaren Veränderungen der psychischen Gesundheit verbunden.
- Es zeigen sich strukturelle Unterschiede in bestimmten Hirnregionen nach der Menopause.
Wichtig ist auch, was die Studie nicht zeigt: Sie beweist nicht, dass HET schädlich ist. Vielmehr handelt es sich um statistische Zusammenhänge in einer großen Bevölkerungsstichprobe.
Besonders relevant ist meiner Meinung nach die gesellschaftliche Dimension der Ergebnisse. Die Autoren betonen den „unerfüllten Bedarf“ in der Versorgung psychischer Gesundheit während Wechseljahre. Obwohl diese Lebensphase Millionen von Frauen betrifft, wird die mentale Komponente häufig unterschätzt.>
Die Wechseljahre sind nicht nur ein gynäkologisches Thema, sie sind auch ein psychologisches und neurologisches.
Quelle:
Zuhlsdorff K, Langley C, Bethlehem R, Warrier V, Romero Garcia R, Sahakian BJ. Emotional and cognitive effects of menopause and hormone replacement therapy. Psychological Medicine. 2026;56:e24. doi:10.1017/S0033291725102845
Über die Autorin:
"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.
Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.
