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Homo mobilis: Es siegt die Biologie
Das Gefühl von Kälte kennen Sie. Konnten Sie die letzten Wochen ja gar nicht verpassen, wenn Sie Ihrem Läufchen treu geblieben sind. Unser einer weiß das zu schätzen: Schmerzhaft kalte Luft beißt in Wangen und Knöchel, während sich mit jedem weiteren Schritt, von unserem Innersten ein wohlig warmes Gefühl ausbreitet. Der grauer Trist der Landschaft wird von warmen inneren Farben erhellt.
Sicher können Sie es nicht mehr hören, trotzdem: Vergegenwärtigen Sie sich noch einmal, was in Ihrem Körper gerade passiert:
Durch die moderate Belastung steigt nicht nur die Durchblutung der Körperperipherie. Auch die Ausschüttung stimmungsaufhellender Neurotransmitter wird stimuliert. Ihr Gedankenkarussel wird unterbrochen: Das überaktive Default-Mode-Network, welches eng mit Grübeln und depressiver Selbstfokussierung verknüpft ist, wird gedämpft und das Gehirn schaltet auf „Durchlauf“ – ein Flow-ähnlicher Zustand entsteht. Die Monotonie des Bewegungsmusters wird durch gleichmäßige Atemrhythmen ergänzt, die zu einer erhöhten Sauerstoffaufnahme und -verfügbarkeit führen. Es danken die Mitochondrien Ihrer Neurone, welche wieder aufatmen können und entzündungshemmende Signalwege aktivieren, die die neuronale Aktivität reguliert.
Vielleicht habe ich etwas verpasst, doch in meinen Pharmakologie Vorlesungsfolien finde ich kein Medikament mit diesem Portfolio, vom Nebenwirkungsprofil einmal abgesehen. Freilich reden wir über Laufen auf Wohlfühlniveau – nicht von bockharten Trainingseinheiten mit mehren grenzwertigen Überlastungszuständen. (Nur nebenbei erwähnt: Auch das kann sehr befriedigend sein, wenn es gelingt den Schmerz zu genießen.) Doch weiter im Text.
Wenn Sie es regelmäßig schaffen, in Ihre Laufschuhe zu schlüpfen, loszutraben und allmählich die graue Landschaft um sich herum zu vergessen, dann haben Sie meinen höchsten Respekt! Die meisten scheitern im Winter an dieser Hürde. Sie atmen zwischen Serienmarathon und TikTok-Trance nur stickige Heizungsluft.
Sie sehen die Welt so grau, wie sie nun mal, dem Wetter geschuldet, tatsächlich im Augenblick ist. Sie können keine Gefühle mehr unterscheiden, verlieren Freude, Antrieb, Konzentrationsfähigkeit und Selbstwert. Sie schlafen schlecht, haben chronische Rückenschmerzen, keine Lust auf Sex und suchen die Schuld nur bei sich allein. Dabei geht es nicht um Schwäche oder mangelnden Willen. Depressive Symptome sind kein Charakterfehler, sondern ein Zustand, in dem ein eigentlich kluges Gehirn versucht, sich vor Überforderung zu schützen. Leider mit Nebenwirkungen. Jeder war diesem Zustand schon einmal nahe und weiß daher: es ist zutiefst menschlich sich so zu fühlen.
Wie befreiend ist es dann für alle zu lesen, wie diese erdrückende Last behoben werden kann? Die Universität Lencashire in Preston (England) hat es mit der Auswertung von 73 Studien für uns zusammengefasst:
Bewegung (Ausdauer- und Kraftsport) wirkt genauso gut gegen depressive Symptome wie Medikamente und Psychotherapie.
Nun denn, auf in die Sportschuhe und tun Sie, wonach sich Ihre Biologie sehnt!
Quellen:
Clegg AJ, et al. Exercise for depression. Cochrane Database Syst Rev. 2026 Jan 8;1:CD004366. doi:10.1002/14651858.CD004366.pub7.
Ärzte Zeitung, Abruf: 14.01.2026. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Depressionen-Regelmaessige-Bewegung-kann-sich-wohl-mit-Psychotherapie-und-Medikamenten-messen-461579.html
Über den Autor:
“Justus Mörstedt widmete sich bis zu seinem 14. Lebensjahr in seiner Freizeit dem Triathlon, bevor er sich endgültig auf sein Lieblingselement, das Wasser, fokussierte und Finswimmer wurde. Seit 2019 ist er Sportsoldat und studiert und trainiert im Leistungszentrum Leipzig.
Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: „Hier lebe ich meinen Traum: Leistungssport und Medizinstudium. Mich fasziniert es, das neu Erlernte im Sportleralltag in die Praxis umzusetzen und somit den oft trockenen Inhalten ein wenig Leben einzuhauchen.“
Diese Kombination macht sich bezahlt: im Juli 2024 wurde er zweifach Weltmeister. Über 200 m Streckentauchen hält er den Weltrekord. Falls Sie neugierig geworden sind, was Finswimming ist, sehen Sie sich in den News um, oder werfen eine beliebige Suchmaschine an!
Forever young wurde ihm mit seinem Einstieg in den Profisport sozusagen „in die Wiege gelegt“. Sein Trainer sagte immer: „Wer hier mitmachen will, muss mindestens ein Strunz-Buch gelesen haben.“ Zu Wettkämpfen verteilte er den Sportlern immer Vitamineral 32. Mit den Jahren in Leipzig hat sich in seinem 24 Jahre jungem Kopf so einiges zusammengesammelt, was er gerne mit Sportlerkollegen unter anderem hier in den News teilt. Dabei unterstützen wir als forever young ihn als Sponsor."
