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Frühjahrsmüdigkeit: Warum wir im Frühling oft so schlapp sind
Frühling: mehr Licht, mehr Sonne, mehr Leben und trotzdem sind viele im März und April müde. Frühjahrsmüdigkeit nennt man das. Kommt Ihnen das bekannt vor? Ich habe mich gefragt, woher dieses Phänomen stammt, ob es wissenschaftlich belegt ist und ob es vielleicht vor allem in Deutschland so präsent ist.
Der Begriff „Frühjahrsmüdigkeit“ klingt zwar typisch deutsch und ist hier auch besonders fest im Sprachgebrauch verankert. Das Phänomen selbst ist jedoch international: In vielen Ländern berichten Menschen im Frühling von Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsproblemen, besonders in der Übergangszeit vom Winter zu wärmeren Tagen.
Im Englischen ist von „spring fatigue“ oder „springtime lethargy“ die Rede, im Französischen von „fatigue de printemps“, im Tschechischen von „jarní únava“. In Japan gibt es mit „Gogatsubyō“ die „Mai-Krankheit“. Kurz: Es handelt sich nicht um ein rein deutsches Phänomen, aber ein besonders griffiges deutsches Wort.
Der Begriff „Frühjahrsmüdigkeit“ ist zwar populär, aber wissenschaftlich nicht als eigene Diagnose fest definiert. Trotzdem gibt es solide Forschung zu Mechanismen, die das typische „Frühjahrs-Schlapp“-Gefühl plausibel machen:
Helligkeit ist der stärkste Taktgeber unseres circadianen Systems. Wenn sich Lichtzeiten im Frühjahr verändern (und oft zusätzlich die Uhrumstellung dazukommt), kann das kurzfristig Schlafdauer, Schlafqualität und Tagesmüdigkeit verschlechtern. Im Winter ist es lange dunkel, und unser Organismus passt sich daran an: Er produziert mehr Melatonin, das sogenannte Schlafhormon. Melatonin sorgt dafür, dass wir schneller müde werden und insgesamt eher im „Energiesparmodus“ laufen. Sobald im Frühling die Sonne häufiger scheint, verändert sich dieser Rhythmus: Der Körper reduziert nach und nach die Melatoninproduktion, gleichzeitig wird die Bildung von Serotonin angeregt, das stimmungsaufhellend und aktivierend wirkt.
Aber warum macht das zunehmende Licht dann nicht sofort wach und energiegeladen? Der Grund ist: Der Körper schaltet nicht abrupt um, sondern braucht Zeit, um sich neu einzupendeln. Unsere innere Uhr läuft nach den dunklen Monaten oft noch im „Wintermodus“. Wenn es morgens plötzlich früher hell wird, fühlt sich das für den Körper wie eine kleine Zeitumstellung an – ähnlich wie ein Mini-Jetlag. Melatonin kann morgens noch „nachhängen“, während man gleichzeitig schon früher funktionieren soll. Ein aktueller systematischer Review fasst diese Effekte zusammen und diskutiert, dass bestimmte Chronotypen (z. B. „Eulen“, also der Spättyp) stärker betroffen sein können.
Es gibt zudem Hinweise aus PET-Studien, dass die Serotonin-Transporter-Bindung im menschlichen Gehirn jahreszeitlich variiert und mit Sonnenscheindauer zusammenhängen kann. Das ist kein direkter Beweis für „Frühjahrsmüdigkeit“, zeigt aber: Licht kann messbar auf Botenstoffsysteme wirken.
Ein weiterer typischer Auslöser ist das wechselhafte Wetter. Morgens noch kühl, mittags fast sommerlich. Solche Temperatursprünge sind im Frühling keine Seltenheit. Unser Körper reagiert darauf, indem er die Blutgefäße erweitert oder verengt, um die Temperatur zu regulieren. Das kann den Kreislauf ordentlich beanspruchen. Vor allem Menschen mit niedrigem Blutdruck spüren diese Veränderungen deutlich: Sie fühlen sich schneller schlapp, bekommen Kopfschmerzen oder haben Konzentrationsprobleme. Der Körper arbeitet quasi im Hintergrund auf Hochtouren, während wir uns gleichzeitig ausgelaugt fühlen. Reviews beschreiben, wie Temperaturwechsel über Gefäßweite, Aktivität und andere Faktoren den Kreislauf beeinflussen, was im Frühling als „schlapp“ wahrgenommen werden kann, besonders bei niedrigem Blutdruck.
Was hilft? Vor allem Tageslicht am Morgen (am besten draußen), regelmäßige Schlafzeiten und Bewegung. All das stabilisiert die innere Uhr und bringt den Kreislauf in Schwung. Und: Geben Sie sich ein paar Tage, bei den meisten pendelt sich das System im Frühling von selbst wieder ein.
Über die Autorin:
"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.
Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.
