Normalerweise laufen Stressgedanken im Kopf ohne echte Ansprache ab. Da ist nur dieses dichte Ich. „Ich bin überfordert.“ oder „Ich blamiere mich gleich.“ Vollständige Identifikation. Kein Abstand. Keine beruhigende Stimme.

Selbstgespräche in der dritten Person funktionieren anders. Man bleibt nicht stumm im Ich gefangen, sondern spricht sich innerlich an. Zum Beispiel so: „Komm schon Lisa, du hast schon viel Schwieriges geschafft. Atme dreimal tief durch und mach den nächsten Schritt.“ Oder: „Thomas, du bist nervös, aber du kannst das.“ Solche Sätze schaffen automatisch Abstand. Man beobachtet sich selbst, statt mitten im Gefühlschaos zu stecken.

Das Gehirn reagiert messbar darauf. Wird nur das innere Ich erlebt, feuert die Amygdala, der innere Alarm. Herzschlag hoch, Stresshormone hoch. Kommt die dritte Person dazu, also der eigene Name oder eine Ansprache mit du, entsteht psychologische Distanz. Die Aktivität der Amygdala sinkt, Grübeleien werden leiser, ohne dass anstrengende Selbstkontrolle nötig ist. Das ist emotionale Regulation, fast nebenbei.


Selbstgespräche in der dritten Person im Härtetest

Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigt eine aufwendige Studie mit 89 Studierenden. Zuerst wurde erfasst, wie sozial ängstlich die Teilnehmenden grundsätzlich sind. Einige Tage später begann das eigentliche Experiment. Zunächst gaben alle an, wie sie sich im Moment fühlen. Dann kam der Stressreiz. Die Teilnehmenden sollten eine Rede halten, in der sie erklären, warum sie perfekt für ihren Traumjob sind. Vor einem kritisch schauenden Gremium, mit Kamera und kaum Vorbereitungszeit.

Noch vor der Rede wurden sie zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Gruppe eins sollte vor dem inneren Auge ihre Gefühle analysieren und dabei in der ersten Person denken. Beispielsweise: „Warum bin ich so nervös.“ Gruppe zwei bekam sehr ähnliche Anweisungen, sollte aber bewusst in der dritten Person über sich nachdenken. Also zum Beispiel mit du oder mit dem eigenen Namen arbeiten.

Dann hielten alle ihre Rede. Zwei unabhängige Beobachter bewerteten später die Aufnahmen. Selbstgespräche in der dritten Person führten zu besserer Performance. Die Reden wirkten sicherer, weniger nervös.

Entscheidend war noch etwas. In den Minuten nach dem Auftritt saßen alle allein im Raum. Genug Zeit fürs klassische Kopfkino. Die Forschenden ließen später aufschreiben, woran die Studierenden gedacht hatten, und erfassten mit Fragebögen, wie stark sie über die Rede gegrübelt hatten. Die Gruppe mit Selbstgesprächen in der dritten Person verhakte sich deutlich seltener in selbstkritischen Wiederholschleifen. Weniger innerer Kommentar. Mehr Einordnung.

Damit wird klar, nicht nur was wir denken ist wichtig, sondern auch aus welcher Perspektive wir es denken.



Quelle:


Kross E, Bruehlman-Senecal E, Park J, et al. Self-talk as a regulatory mechanism: how you do it matters. J Pers Soc Psychol. 2014;106(2):304-324. doi:10.1037/a0035173



Über die Autorin:


"Dr. Kristina Jacoby arbeitet seit 2014 Dr. U. Strunz bei der Erstellung seiner Bücher zu. Besonders fasziniert ist sie von den physiologischen Abläufen im Organismus sowie den Möglichkeiten diese mit Lebensstilveränderungen positiv zu beeinflussen.
Physiologie und Genetik waren ihre Schwerpunkte in ihrem Biologie-Studium, welches sie 2002 abschloss. Von 2004 bis 2010 studierte und promovierte sie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2008 beschäftigt sie sich intensiv mit Meditation und praktiziert täglich.

Das sagt sie selbst zu Ihrer Tätigkeit:

„Jede Krankheit basiert auf Schieflagen im Organismus, die man aufspüren und verändern kann. Davon bin ich überzeugt. Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die das bestätigen. Leider ist das Wissen noch nicht in den Arztpraxen angekommen. Daher möchte ich dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen von diesen Möglichkeiten der Heilung erfahren und in die Lage versetzt werden, sie umzusetzen.“"


Das Bild zeigt ein Porträt der News-Autorin Dr. Kristina Jacoby.