Weißer Hautkrebs, insbesondere das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom, zählen zu den häufigsten Krebserkrankungen weltweit. Menschen, die bereits an einem dieser Tumoren erkrankt sind, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens weitere Hautkrebse zu entwickeln. Bereits in meiner News vom 31.1.2025 habe ich über erste Erkenntnisse in Bezug auf Nicotinamid, einem Derivat von Vitamin B3, in der Prävention von weißem Hautkrebs berichtet. Jetzt gibt es eine aktuelle retrospektive Kohortenstudie aus den USA, die zeigt, dass Nicotinamid das Risiko für erneute Hautkrebserkrankungen signifikant senken kann.

Nicotinamid oder auch Niacinamid ist die nicht Flush-auslösende Form von Niacin (Vitamin B3). Es ist ein essenzieller Bestandteil zahlreicher Stoffwechselprozesse und spielt eine zentrale Rolle in der Zellenergieproduktion und DNA-Reparatur. Im Körper wird Nicotinamid zu Nicotinamidadenindinukleotid (NAD⁺) und Nicotinamidadenindinukleotidphosphat (NADP⁺) umgewandelt – zwei lebenswichtige Coenzyme, die an über 400 enzymatischen Reaktionen beteiligt sind.

Gerade in der Haut, die kontinuierlich der UV-Strahlung ausgesetzt ist, sind NAD⁺-abhängige Prozesse entscheidend, z. B.:


  • DNA-Reparatur: UV-Licht kann bekanntermaßen DNA-Schäden verursachen, die zu Mutationen und letztlich zu Krebs führen können. Nicotinamid unterstützt die Aktivierung von DNA-Reparaturenzyklen und hilft so, fehlerhafte Zellen zu korrigieren, bevor sie entarten.
  • Reduktion oxidativen Stresses: Durch seine Rolle im NADPH-Stoffwechsel trägt Nicotinamid zur Neutralisierung freier Radikale bei, die ebenfalls durch UV-Strahlung entstehen.
  • Schutz der Immunabwehr: UV-Strahlung kann lokale Immunsuppression in der Haut auslösen. Studien zeigen, dass Nicotinamid diese UV-bedingte Immunsuppression teilweise aufhebt und so die körpereigene Tumorabwehr stärkt.

Diese Mechanismen erklären, warum Nicotinamid in den letzten Jahren als potentes Mittel zur Sekundärprävention von Hautkrebs in den Fokus gerückt ist.

Was wurde in der neuen Studie untersucht? Die Forscherinnen und Forscher des Vanderbilt University Medical Center analysierten die elektronische Gesundheitsdaten von 33.822 Patienten mit Hautkrebserkrankungen.

Von diesen erhielten 12.287 Personen Nicotinamid (500 mg zweimal täglich über mehr als 30 Tage), während 21.479 Patienten ohne Supplementierung als Kontrollgruppe dienten. Beide Gruppen wurden sorgfältig aufeinander abgestimmt, um Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und andere Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

Insgesamt zeigte sich bei Nicotinamid-Anwendern ein 14 % geringeres Risiko, erneut an Hautkrebs zu erkranken. Besonders stark war der Effekt bei Patienten, die unmittelbar nach ihrer ersten Hautkrebsdiagnose mit der Einnahme begannen: Hier sank das Risiko um 54 %. Bei späterem Beginn schwächte sich der Nutzen ab, was darauf hindeutet, dass der zeitnahe Einsatz entscheidend für den Erfolg ist.

Die größte Wirkung wurde beim kutane Plattenepithelkarzinom beobachtet, doch auch beim Basalzellkarzinom war eine signifikante Risikoreduktion nachweisbar.

Die Ergebnisse bestätigen, dass Nicotinamid ein sicheres, gut verträgliches und kostengünstiges Präventionsmittel für Patienten mit erhöhtem Hautkrebsrisiko ist.

Mit seinem breiten Wirkmechanismus – von der DNA-Reparatur über antioxidative Effekte bis hin zur Immunstärkung – könnte Nicotinamid künftig zu einem zentralen Bestandteil einer ganzheitlichen Hautkrebsprävention werden.


Quelle:
Breglio KF, Knox KM, Hwang J, Weiss R, Maas K, Zhang S, Yao L, Madden C, Xu Y, Hartman RI, Wheless L. Nicotinamide for Skin Cancer Chemoprevention. JAMA Dermatol. 2025 Sep 17:e253238. doi: 10.1001/jamadermatol.2025.3238. Epub ahead of print.



Über die Autorin:


"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.

Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.


Das Bild zeigt ein Porträt der News-Autorin Kyra Kauffmann.