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Ein Trampelpfad durch den Vitamin D Dschungel – Teil 4: Magnesium und Bor
In den News vom 14. November 2025 hatten wir uns mit der Schädlichkeit von zu viel Calcium in den Zellen (= intrazelluläre Hyperkalzämie) beschäftigt.
Auch ein Magnesium- oder Bormangel kann indirekt die Ursache für einen Calziumüberschuss sein. Magnesium ist ein essenzieller Cofaktor für viele Enzyme und ionenregulierende Mechanismen.
Ein Magnesiummangel kann auf verschiedene Weise zu einer intrazellulären Hyperkalzämie führen:
- Während Magnesium in physiologischen Konzentrationen Calziumkanäle reguliert, können diese bei einem Magnesium-Mangel überaktiv werden.
Daraus resultiert dann ein erhöhter Calcium-Einstrom in die Zelle. - Magnesium wird benötigt, damit Enzyme ATP binden und die Aufspaltung von ATP effizient durchführen können. Erst als Mg-ATP-Komplex steht ATP den Calciumpumpen als „Kraftstoff“ zuverlässig zur Verfügung.
Fehlt Magnesium, arbeiten ATP-abhängige Calciumpumpen (z. B. der Calciumexport aus dem Zytoplasma) weniger effizient und Calcium kann sich intrazellulär anreichern. - Ein Magnesiummangel kann auch zu einer Störung der Parathormon-Sekretion führen (zum Parathormon siehe Teil 3).
Magnesium gibt es in verschiedenen chemischen Verbindungen und Menschen nehmen diese unterschiedlich gut auf.
Praktisch relevant ist deshalb nicht nur wieviel Magnesium Sie täglich einnehmen, sondern in welcher Form Sie es am besten aufnehmen und vertragen (Achtung: Durchfall!). Bitte messen Sie doch einfach einmal nach, wieviel bei Ihnen ankommt
(Ziel: ca. 1 mmol/l im Serum oder 37 mg/l im Vollblut).
Kommen wir nun zu Bor. Ich messe es regelmäßig im Serum (!) meiner Patienten, und die Spiegel sind meistens sehr niedrig.
Sie als News-Leser kennen diesen sonst wenig beachteten Mikronährstoff natürlich schon länger: https://www.strunz.ch/bor-und-sex.html
Wir finden Bor im Trinkwasser, in Avocados, Trockenpflaumen oder in (Rot-)wein. Tatsächlich haben Weintrinker bei meinen Messungen den höchsten Borspiegel.
Ich sehe Sie gerade lächeln! Aber nein, ich empfehle Ihnen ausdrücklich KEIN „therapeutisches Weintrinken“, um Ihren Borspiegel zu verbessern.
Das Spurenelement Bor ist am Mineralstoffwechsel des Körpers intensiv beteiligt. Ein Bormangel kann die Calziumhomöostase auf unterschiedliche Weise stören:
- So unterstützt Bor die Aufnahme und Verwertung von Magnesium. Ein Bormangel kann somit indirekt zu einem Magnesiummangel führen, was die oben genannten Mechanismen zur Hyperkalzämie auslösen kann.
- Auch Bor spielt eine Rolle bei der Regulation des Parathormons (PTH).
- Ein Bormangel kann oxidativen Stress in der Zelle verstärken. Das beeinträchtigt wiederum Calcium-Regulationsmechanismen und kann ebenfalls zu einem intrazellulären Calciumüberschuss beitragen.
Bor ist aber vor allem ein Mineralstoff, der die Umwandlung des Speichervitamins 25‑Hydroxy‑Vitamin D (Calcidiol) in das superaktive 1,25‑OH‑Vitamin D (Calcitriol) mit beeinflusst – und damit eine zentrale Stellschraube in einem Netzwerk aus Calcium, Magnesium, PTH und Vitamin‑D‑Signalwegen darstellt.
Bor ist ein klassisches Beispiel dafür, wie ein kleines Spurenelement große Regelkreise beeinflussen kann.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist der Auffassung, dass Erwachsene aus allen Quellen zusammen nicht mehr als 10 mg Bor pro Tag aufnehmen sollten (Upper Intake Level).
Fun fact
Es gibt auch eine kulinarische Möglichkeit sich mit Bor zu versorgen: der tägliche Konsum von echtem Kaviar!
Denn zwei Bor-Verbindungen Borsäure (E 284) und Natriumtetraborat (E 285) sind als Konservierungsmittel – ausschließlich für echten Kaviar – zugelassen.
Aufgrund des hohen Preises ist eine Bor-Intoxikation damit ziemlich sicher ausgeschlossen.
Über die Autorin:
"Die Biologin Ursula Bien, Jahrgang 1963, ging nach ihrer Zeit am Institut für Biotechnologie des Forschungszentrums Jülich in die Pharmaindustrie und war zuletzt 15 Jahre lang Geschäftsführerin eines kleinen forschenden Pharmaunternehmens. Ihr Arbeitsschwerpunkt lag dabei immer im Bereich der Hämatologie und Onkologie (Blutkrebs, Stammzelltransplantation, Tumore). Motiviert durch Fragen krebskranker Patienten, begann sie sich mit alternativen und komplementären Therapieverfahren zu beschäftigen. Sie absolvierte eine Zusatzausbildung als Heilpraktikerin und bildete sich über viele Jahre intensiv zu den Themen orthomolekulare Medizin und Ernährungsmedizin weiter. Nicht zuletzt durch den wissenschaftlichen Austausch mit Dr. med. Ulrich Strunz fand sie zum Thema Epigenetik und Bluttuning. Mittlerweile gibt sie die „Strunzsche Philosophie“ in eigener Praxis voller Überzeugung auch an ihre Patienten weiter.
Das sagt sie selbst zu ihrer Tätigkeit:
„So sinnvoll die Schulmedizin in vielen Bereichen auch ist, darf es bei chronischen Erkrankungen nicht das Ziel sein, Symptome zu unterdrücken. Es gilt, die Ursachen einer Erkrankung zu finden und abzustellen. Was durch Ernährungsumstellung, gezielte Zufuhr fehlender Mikronährstoffe und Bewegung erreicht werden kann, ist immer wieder verblüffend. Ich bin Dr. Strunz für das, was ich von ihm lernen durfte unendlich dankbar und freue mich für jeden Menschen, der am eigenen Leibe erfahren darf, dass manche Krankheiten nicht nur Schicksal sind.“
