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Don’t tox statt detox
Ich werde in meiner Praxis oft gefragt, wie man am besten entgiften könne – Detoxen, wie es auf Neudeutsch so schön heißt.
Meine Antwort lautet dann: Arbeiten Sie bitte zuerst daran, sich so wenig wie möglich zu vergiften.
Dass Rauchen, ob klassische Zigarette oder vermeintlich harmlose E-Zigarette mit einem “Forever Young” Lebensstil nicht vereinbar ist, versteht sich von selbst. Auch die vorschnelle Einnahme von Medikamenten muss unbedingt vermieden werden. Wärme, Ruhe und Ingwertee helfen bei manchem Infekt oft genau so gut wie ein Erkältungsmittel aus der Apotheke.
Und ja, auch über Alkohol müssen wir natürlich reden, wenn wir ernsthaft über Entgiftung sprechen wollen.
Denn Alkohol ist kein harmloses Genussmittel, sondern ein Zellgift, das der Körper nur unter großem Aufwand abbauen kann.
Die Leber trägt dabei die Hauptlast – und während sie sich um das Ethanol kümmert, bleiben andere Entgiftungsprozesse auf der Strecke.
Ein gelegentliches Glas Wein zum Essen ist das eine, täglicher Konsum das andere. Wer regelmäßig trinkt, merkt oft gar nicht mehr, wie sehr der Alkohol den Schlaf, die Haut, das Hormonsystem oder die Stimmung beeinflusst.
Wer also detoxen will, muss nicht gleich mit Selleriesaft anfangen, sondern mit ein paar alkokolfreien Tagen.
Doch viele der Stoffe, die unseren Körper belasten, stecken in ganz alltäglichen Dingen. Kein Nahrungsmittel – auch nicht “Bio” – ist völlig frei von Pestizidrückständen. Thunfisch etwa gilt wegen seines hohen Omega-3-Gehalts als gesund, steht aber als Raubfisch am Ende der Nahrungskette und ist entsprechend stark mit Quecksilber belastet. Die bessere Wahl: kleine “Friedfische” wie Sardinen oder Sardellen, die am Anfang der Nahrungskette stehen.
Auch in vielen Kosmetik- und Pflegeprodukten finden sich potenziell bedenkliche Substanzen: Duftstoffe, Mikroplastik, hormonaktive UV-Filter, Emulgatoren und Konservierungsmittel. Besonders problematisch sind Haarfärbemittel.
Sie enthalten häufig aromatische Amine, die unter Krebsverdacht stehen.
Wer wissen möchte, was in seinem Duschgel, Shampoo oder Rasierschaum steckt, dem sei die kostenfreie App ToxFox vom Bund für Umwelt und Naturschutz empfohlen. Einfach den Barcode scannen – und schon erfährt man, ob und welche bedenklichen Inhaltsstoffe enthalten sind.
Kommen wir nun zu Plastikflaschen. Natürlich sind sie praktisch, leicht und überall verfügbar, aber sie enthalten Weichmacher, die sich negativ auf unser Hormonsystem auswirken können.
Eine PET-Flasche braucht rund 500 Jahre, bis sie sich zersetzt hat. Und selbst dann ist sie nicht „weg“, sondern nur in Form von Mikroplastik zurück in unseren Böden, Flüssen, Nutztieren und am Ende wieder bei uns.
Alles, was dauerhaft in unseren Körper eingebracht wird, stellt eine potenzielle Belastung dar. Das gilt für Zahnfüllungen ebenso wie für Gelenkprothesen.
Ob Amalgam, Komposit oder Keramik. Wer auf Zahnpflege achtet, kann die Notwendigkeit des Einsetzens solcher Materialien zumindest hinauszögern.

Auch Gelenkimplantate sind längst nicht so „neutral“, wie man denken könnte: Vor allem Modelle mit Metallkomponenten können über Jahre winzige Abriebpartikel oder Metallionen freisetzen – zum Beispiel Kobalt, Chrom oder Titan. Diese gelangen ins Gewebe oder sogar in den Blutkreislauf und können in seltenen Fällen lokale Entzündungen, so genannte “Metallosen” verursachen.
Und schließlich: Tattoos. Was heute als Körperschmuck oder Stilmittel gilt, ist aus medizinischer Sicht eine dauerhafte Pigmenteinlagerung in ein lebendiges Organ – unsere Haut.
Was viele nicht wissen: die eingebrachten Farbpartikel bleiben nicht einfach an Ort und Stelle. Ein Forschungsteam um Dr. Bernhard Hesse und Dr. Hiram Castillo-Michel vom Europäischen Synchrotronstrahlungszentrum in Grenoble konnte mittels spezieller Röntgenfluoreszenz nachweisen, dass sich Pigmente aus Tattoofarben – darunter Titan, Nickel, Chrom und Kupfer bis in die Lymphknoten ausbreiten. Dort lagern sie sich teils in Nanopartikelgröße ein. Der Körper schickt Freßzellen dorthin, um sie zu bekämpfen, doch diese können mit den winzigen, unlöslichen Farbpartikeln wenig anfangen. Die Folge: ein anhaltender Entzündungsreiz mit unvorhersehbaren Konsequenzen.
Die Forscher sprechen von einer dauerhaften Belastung des körpereigenen Reinigungssystems. Die Haut ist eben keine isolierte Tapete, sondern Teil eines hochsensiblen Systems.
Und ob über die Haut, den Darm oder die Lunge – unser Körper nimmt auf, was wir ihm anbieten. Wer detoxen will, kann den Körper zwar mit Bitterstoffen und basischen Bädern unterstützen, aber er braucht vor allem gesunden Menschenverstand.
Wer während seiner Detox-Kur gedankenlos Schadstoffe aufträgt, einatmet oder hinuntterschluckt, betreibt eher Schönfärberei als Reinigung.
Detox beginnt nicht im Teeglas, sondern im Kopf.
Quelle:
Ines Schreiver, Bernhard Hesse, Christian Seim, Hiram Castillo-Michel, Julie Villanova, Peter Laux, Nadine Dreiack, Randolf Penning, Remi Tucoulou, Marine Cotte & Andreas Luch: Synchrotron-based ν-XRF mapping and μ-FTIR microscopy enable to look into the fate and effects of tattoo pigments in human skinScientific Reports 7, Article number: 11395 (2017) doi:10.1038/s41598-017-11721-z
Illustration erstellt mit DALL E, OpenAI, 2025
Über die Autorin:
"Die Biologin Ursula Bien, Jahrgang 1963, ging nach ihrer Zeit am Institut für Biotechnologie des Forschungszentrums Jülich in die Pharmaindustrie und war zuletzt 15 Jahre lang Geschäftsführerin eines kleinen forschenden Pharmaunternehmens. Ihr Arbeitsschwerpunkt lag dabei immer im Bereich der Hämatologie und Onkologie (Blutkrebs, Stammzelltransplantation, Tumore). Motiviert durch Fragen krebskranker Patienten, begann sie sich mit alternativen und komplementären Therapieverfahren zu beschäftigen. Sie absolvierte eine Zusatzausbildung als Heilpraktikerin und bildete sich über viele Jahre intensiv zu den Themen orthomolekulare Medizin und Ernährungsmedizin weiter. Nicht zuletzt durch den wissenschaftlichen Austausch mit Dr. med. Ulrich Strunz fand sie zum Thema Epigenetik und Bluttuning. Mittlerweile gibt sie die „Strunzsche Philosophie“ in eigener Praxis voller Überzeugung auch an ihre Patienten weiter.
Das sagt sie selbst zu ihrer Tätigkeit:
„So sinnvoll die Schulmedizin in vielen Bereichen auch ist, darf es bei chronischen Erkrankungen nicht das Ziel sein, Symptome zu unterdrücken. Es gilt, die Ursachen einer Erkrankung zu finden und abzustellen. Was durch Ernährungsumstellung, gezielte Zufuhr fehlender Mikronährstoffe und Bewegung erreicht werden kann, ist immer wieder verblüffend. Ich bin Dr. Strunz für das, was ich von ihm lernen durfte unendlich dankbar und freue mich für jeden Menschen, der am eigenen Leibe erfahren darf, dass manche Krankheiten nicht nur Schicksal sind.“
