Es gilt für den Sport wie für alles auf dieser Erde: Es gibt Parameter, die sich kaum messen lassen. Prozesse, die auf einer Metaebene zu existieren scheinen. Sie sind ungeklärt, unangetastet, unerforscht – und deswegen im Gebrauch unterrepräsentiert.

Worüber reden wir eigentlich? Nun, irgendwo zwischen Quantenphysik, Primzahlen, Dunkler Materie, dem Placeboeffekt oder der Erforschung des menschlichen Bewusstseins, ordne ich das heutige Thema ein.

Wer mich kennt, weiß, dass ich es beim Thema Leistungssport wie mein Trainer halte und dabei nur bedingt an Wissenschaft denke.

Ja, wir haben viel gemessen – unzählige Stiche ins Ohr für das Laktat, Blutentnahmen, Ergometertests und Ganzkörperanalysen. Aber wir haben auch philosophiert. Auf den stundenlangen Reisen, beim Radeln auf dem Spinning Bike, bei den langen Pausen zwischen dem Maximalkrafttraining. Auch bei jedem Sieg. Bei jeder Niederlage. Sogar nach jedem Training.

Das Produkt dieser Gespräche? Es ist der Schlüssel zu dem, was manche Sportler wohl nie begreifen werden. Ich meine einen Zustand. Einen Zustand, oder eben ein Gefühl, dass Sie nur erleben werden, wenn Sie sich trauen. Trauen, loszulegen.

Manch einer mag es mit Gott in Verbindung bringen. Ich sage es ist „der Flow“. Manch einer findet diesen Zustand in der Kirche, oft auch durch Drogen. Ich finde ihn meist irgendwo zwischen Kniebeugeständer und Schwimmbecken.

Hier finden ich Leichtigkeit. Dieses Kribbeln, diese Vorfreude, diese unbändige Lust. Man kann sie nicht erzwingen! Aber Ihr die Türen öffnen.

Im Sport helfen dabei Freude, Imagination und innere Bilder. Wenn Sie Bewegungen nicht mehr erzwingen müssen, sondern sie geschehen lassen, dann haben sie es geschafft. Und genau hier schließt sich der Bogen zur Sportwissenschaft. Sie können Laktat messen, Wattzahlen vergleichen und Bewegungen biomechanisch zerlegen. Doch der Mensch dahinter besteht nicht nur aus Zahlen.

Sie erinnern sich an Usain Bolt? Er wäre vielleicht niemals derselbe Olympiasieger geworden, hätte man ihm seine jamaikanische Lebensfreude genommen. Und genau daran erinnern wir uns doch: An diesen charismatischen Typen, diesen Kumpel, diesen Champion – der schneller lief als jeder andere, und dabei aussah, als hätte er den größten Spaß von allen.