Die Frankfurter Rundschau lässt sich zu folgender Überschrift hinreißen: „Studie deckt die größten Risikofaktoren für Brustkrebs auf – rotes Fleisch gefährlicher als Rauchen.“ Das muss man als Strunzianer dann erst einmal sacken lassen, da man weiß, dass man nun wieder einige E-Mails von natürlich verunsicherten Lesern bekommen wird.

Also los, es hilft ja nichts. Rein technisch sind diese Worte nicht falsch, da der Autor Robin Dittrich lediglich von einem Risiko spricht, welches die Studie gefunden hätte und das ist legitim. Was er jedoch nicht im Artikel schreibt, ist, dass es sich hier gar nicht um eine eigens durchgeführte Studie handelt, sondern um eine Zusammenfassung mehrerer Datenquellen wie Krebsregistern, Sterberegistern, Bevölkerungsdaten, Metaanalysen, epidemiologischen Beobachtungsstudien und statistischen Modellen. Die Risikofaktoren selbst stammen überwiegend aus Beobachtungsstudien. Und es bleibt dabei: Beobachtungsstudien können nun einmal keinen Beweis liefern, sondern nur einen Verdacht äußern.

Hinzu kommt, dass die ermittelte Krankheitslast eine Modellrechnung und keine Messung ist. Und solche Modelle basieren auf Annahmen, über die natürlich in einem solchen Beitrag kein Wort verloren wird. So als wäre jemals ein menschengemachtes Modell korrekt gewesen.

Eine weitere Schwäche dieser „Studie“ ist, dass viele Risiken für Brustkrebs überhaupt gar nicht gemessen wurden, wie z. B. genetische Veranlagung (z. B. BRCA1/2 oder COMT), Brustdichte, reproduktive Faktoren (Alter bei erster Schwangerschaft, Stilldauer), Hormonersatztherapie, hormonelle Lebensgeschichte oder Umweltbelastungen.

Und dann natürlich der wichtigste Punkt, den ich auch ausführlich in meinem Buch „Low Carb, Long Life“ beschrieben habe: Epidemiologische Studien haben große Schwächen, neben dem Grundprinzip, dass sie nichts beweisen können. Sie basieren auf Befragungen zum Essen, hochgerechnet auf viele Jahre. Es wird nicht zwischen verarbeitetem und unverarbeitetem Fleisch unterschieden. Es wird nicht nach der Qualität des Fleisches gefragt. Es gibt den Einfluss durch eine generell gesunde Lebenseinstellung oder eben eine ungesunde Lebenseinstellung, die mit berücksichtigt werden muss.

Und für mich am wichtigsten: Studiendaten widersprechen sich, denn ich habe Ihnen hier schon viele epidemiologische Studien präsentiert, die genau das Gegenteil darlegen. Und ich habe diese Studien auch in meinen Büchern referenziert. Wenn jedoch eine Annahme stimmt, dann muss sie sich in allen Auswertungen wiederfinden!


Was nehmen wir mit?

Im Internetzeitalter nennt man solche Überschriften „Clickbaits“, also Lockvögel. Das wurde als Mittel zum Zweck von Zeitschriften schon immer benutzt. Mit seriöser Berichterstattung hat es insbesondere in diesem Fall nichts zu tun, denn der Autor suggeriert natürlich, rotes Fleisch sei gefährlicher als das Rauchen einer Zigarette. Spätestens hier sollte bei jedem Leser die rote Warnleuchte angehen. Wenn man dann noch liest, wer diese Studie gesponsert hat und welche Agenda dieser Mann verfolgt, dann weiß man: Man hat mal wieder eine Schrottstudie gelesen, um es mit den Worten von Dr. Strunz abzuschließen.




Quelle:

Global, regional, and national burden of breast cancer among females, 1990–2023, with forecasts to 2050: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2023, GBD 2023 Breast Cancer Collaborators, 2026, DOI: 10.1016/S1470-2045(25)00730-2