Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schilddrüsenproblemen, viele davon an einer Unterfunktion. Gleichzeitig ist Eisenmangel einer der häufigsten Nährstoffmängel überhaupt, besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter und in der Schwangerschaft. Diese beiden Probleme hängen biochemisch eng zusammen. Wer nur an einer Stellschraube dreht, verschenkt die Chance auf spürbar mehr Energie, Leichtigkeit und Erholung.
Das Enzym, das Eisen braucht
Die Schilddrüse stellt ihre Hormone T3 und T4 mithilfe eines Enzyms her, das sich Thyreoperoxidase nennt, kurz TPO. Dieses Enzym ist auf Eisen angewiesen. Ohne ausreichend Eisen arbeitet TPO eingeschränkt. Forschungen zeigen, dass die Enzymaktivität bei Eisenmangel um 33 bis 56 Prozent sinkt. Bei Eisenmangel helfen weder Jod noch Tyrosin, um die Produktion der Schilddrüsenhormone zu erhöhen, weil das entscheidende Enzym nicht ordentlich funktioniert.
Hinzu kommt, dass auch die sogenannten Dejodinasen eisenabhängig arbeiten. Diese Enzyme wandeln das weniger aktive T4 in das stoffwechselaktive T3 um. Bei Eisenmangel verschiebt sich das Verhältnis von T3 zu T4 ungünstig, und es entsteht vermehrt reverses T3, eine inaktive Form, die der normalen Wirkungsweise von T3 sogar entgegenwirkt.
Unterfunktion bremst die Eisenaufnahme
Die Wechselwirkung läuft aber auch in die andere Richtung. Eine Schilddrüsenunterfunktion verlangsamt die Magen-Darm-Motorik und reduziert die Magensäureproduktion. Beides ist ungünstig für die Eisenaufnahme, denn Eisen wird vor allem im Zwölffingerdarm resorbiert, und dafür braucht der Körper eine funktionierende Säureumgebung im Magen. Wer wenig Magensäure hat, nimmt auch weniger Eisen auf, selbst wenn die Zufuhr über die Ernährung eigentlich ausreichend wäre.
Außerdem drosselt eine Schilddrüsenunterfunktion die Bildung roter Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport nötig sind, und des Ferritins, das ist das Protein, mit dessen Hilfe Eisen im Gewebe gespeichert wird. Das verschlechtert die Eisenspeicherung und führt langfristig zu einer Anämie, die oft fälschlicherweise als eigenständige Erkrankung behandelt wird, ohne die Schilddrüse als Ursache in Betracht zu ziehen.
Bei Autoimmunthyreoiditis, also Hashimoto, gibt es noch einen weiteren Zusammenhang: Niedriges Ferritin korreliert mit erhöhten Anti-TPO-Antikörpern. Das legt nahe, dass Eisen auch immunmodulatorisch wirkt und bei einem Mangel die Autoimmunaktivität ansteigt.
Was Sie tun können
Wenn Sie unter Erschöpfung, Kälteempfindlichkeit, Haarausfall oder Antriebslosigkeit leiden und bereits wissen, dass Ihre Schilddrüse nicht optimal arbeitet, lohnt sich ein Blick auf den Eisenstatus. Und zwar nicht nur auf den Hämoglobinwert, der oft noch normal ist, wenn das Ferritin längst im Keller liegt. Ferritin und Transferrinsättigung geben ein genaueres Bild.
Umgekehrt gilt, dass Personen mit Eisenmangel ihre Schilddrüsenwerte kennen sollten. TSH, freies T3 und freies T4 gehören in diesem Kontext zum Basischeck.
Eisensubstitution verbessert die Schilddrüsenfunktion. Selen, Jod, Zink, Vitamin B12, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Stressreduktion, ausreichender Schlaf sowie eine proteinreiche Ernährung verbessern die Schilddrüsenfunktion ebenfalls und erhöhen somit die Eisenaufnahme. Wer beide Stellschrauben gleichzeitig angeht, kommt deutlich schneller voran als jemand, der nur an einer dreht. Der Substitution der Nährstoffe sollten unbedingt Blutanalysen vorher gehen.
Quellen
Zhao, L., Teng, W., & Shi, X. (2023). Iron deficiency and thyroid function: A systematic review and meta-analysis. Frontiers in Endocrinology, 14, 1120833.