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Low Carb bedeutet für fast jeden Menschen eine etwas andere Kohlenhydratmenge
„Low Carb“ oder „ketogen“ klingt nach einer klaren Regel. Low Carb: unter 50 Gramm Kohlenhydrate pro Tag, ketogen: unter 20. Macht es einfach, nur funktioniert es nicht für jeden! Denn Low Carb oder ketogen ist ein relativer Zustand. Entscheidend ist, wie viele Fettreserven der Körper hat, wie viel Energie er verbraucht, wie gut er regeneriert und unter welchem hormonellen Druck er steht.
Low Carb oder ketogen zum Abnehmen
Bei übergewichtigen Menschen, die abnehmen wollen, funktioniert eine starke Kohlenhydratreduktion oft hervorragend, insbesondere, wenn sie mit Spaziergängen als hauptsächliche Bewegungsform kombiniert wird. Der Energiebedarf ist moderat, die Fettreserven sind gut zugänglich, Insulin sinkt, Fettverbrennung steigt. Der Körper empfindet das als Entlastung.
Low Carb oder ketogen bei normalgewichtigen Sportlern
Ganz anders sieht es bei normalgewichtigen Menschen aus, die viel Sport treiben. Ich gehöre zu dieser Gruppe. Über lange Zeit habe ich versucht, täglich unter 50 Gramm Kohlenhydraten zu bleiben, teils sogar unter 20. Gleichzeitig bin ich pro Woche zwischen 25 und 45 Kilometer gelaufen, inklusive regelmäßigem Intervalltraining mit fast zehn Kilometern Länge. Im Blut war klar zu sehen, dass mein Körper diese Kombination nicht als optimales Low Carb, sondern als Energiemangel interpretiert hat.
Wenn gute Werte kippen und Stress sichtbar wird
- Ungünstige Schilddrüsenhormone: Mein TSH-Wert war im oberen Normalbereich, mein freies T3 im unteren. Das ist ein eindeutiges Zeichen, dass der Körper unter hoher Anstrengung leidet, ihm aber nicht genügend Energie zur Verfügung steht. Der Körper produziert das Stresshormon Cortisol wie verrückt, um Energie aus Muskeln zu pressen, was die Schilddrüse zum Alarmieren bringt und TSH hochjagt, damit mehr Schilddrüsenhormone gebaut werden. Gleichzeitig ist der Insulinspiegel sehr niedrig, was wiederum zu einem sehr niedrigen Leptin-Spiegel führt. Sehr niedrige Insulin- und Leptin-Spiegel werden als Hungersnot interpretiert, der Körper geht in Energiesparmodus, es wird nur noch wenig inaktives T4 in aktives T3 umgewandelt.
- Phenylalanin erniedrigt: Ohne ausreichende Fette und Kohlenhydrate greift der Körper zu Proteinen zur Energieherstellung, und zwar Muskelproteine! Diese werden in ihre Aminosäuren zerlegt, und insbesondere Phenylalanin dann zur Energieherstellung genutzt. Phenylalanin wird auch für die Synthese von Dopamin benötigt, das dann fehlt.
- Asparaginsäure und Taurin erhöht: Bei Energiemangel wird die Synthese der nicht essenziellen Aminosäuren Asparaginsäure und Taurin nach oben gefahren. Sie entstehen aus anderen Aminosäuren, die entweder über die proteinreiche Ernährung zur Verfügung stehen oder aus dem abgebauten Muskelprotein. Asparaginsäure wird unter anderem im Citratzyklus zur Energieherstellung und zur Entsorgung von Ammoniak benötigt. Ein kleiner Teufelskreis, denn wenn Muskelprotein abgebaut wird, entsteht besonders viel Ammoniak, wofür besonders viel Asparaginsäure zur Entgiftung hergestellt werden muss.
Taurin benötigt der Körper, um Zellen und vor allem Mitochondrien vor oxidativem Stress zu schützen, der normalerweise bei der Herstellung von Energie entsteht. Taurin wird auch für die Regulation des Kalzium-Haushalts in der Muskulatur benötigt, der für die Muskelkontraktion essenziell ist. - Sehr niedriger Quotient aus Triglyceriden und HDL-Cholesterin: Der Quotient zeigt an, wie gut der Körper auf Insulin reagiert. Werte zwischen 0,5 und 1,5 gelten als ideal. Mein Wert lag bei 0,3, da waren einfach fast keine Triglyceride mehr da. Der Körper konnte weder aus Kohlenhydraten noch aus Fetten Energie herstellen.
- Mein kleiner Speckbauch: Mein kleiner Speckbauch ist trotzdem geblieben, die dort gespeicherte Energie wurde vom Körper nicht verwendet. Warum? Der erhöhte Cortisolspiegel gibt das Signal, dass der Speckbauch nicht hergegeben wird. Er ist die Notreserve, falls es noch schlimmer wird, noch weniger Kohlenhydrate oder noch mehr Anstrengung, oder … bei uns Frauen: Schwangerschaft. Der Körper bedient sich lieber an Muskelproteinen zur Energieherstellung oder an den im Blut zirkulierenden Fetten, wie beispielsweise der Palmitoleinsäure, die bei mir auch sehr niedrig war.
Gezielte Kohlenhydrate, besonders in einem Zeitfenster von ein bis zwei Stunden nach sehr intensiven Einheiten, senken Cortisol, füllen Glykogen auf und beschleunigen Regeneration. Seit ich im Alltag täglich zwischen 80 und 150 Gramm Kohlenhydrate pro Tag in Abhängigkeit von der Trainingsintensität esse, geht es mir deutlich besser. Mehr Energie, bessere Regeneration, weniger innerer Stress.
Über die Autorin:
"Dr. Kristina Jacoby arbeitet seit 2014 Dr. U. Strunz bei der Erstellung seiner Bücher zu. Besonders fasziniert ist sie von den physiologischen Abläufen im Organismus sowie den Möglichkeiten diese mit Lebensstilveränderungen positiv zu beeinflussen.
Physiologie und Genetik waren ihre Schwerpunkte in ihrem Biologie-Studium, welches sie 2002 abschloss. Von 2004 bis 2010 studierte und promovierte sie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2008 beschäftigt sie sich intensiv mit Meditation und praktiziert täglich.
Das sagt sie selbst zu Ihrer Tätigkeit:
„Jede Krankheit basiert auf Schieflagen im Organismus, die man aufspüren und verändern kann. Davon bin ich überzeugt. Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die das bestätigen. Leider ist das Wissen noch nicht in den Arztpraxen angekommen. Daher möchte ich dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen von diesen Möglichkeiten der Heilung erfahren und in die Lage versetzt werden, sie umzusetzen.“"
