Jahrzehntelang hieß es, Frauen mit Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCO) hätten ein Problem mit ihren Eierstöcken. Der Name sagte es ja, umgangssprachlich kann man es „Viele-Zysten-An-Den-Eierstöcken-Syndrom“ nennen. Wer an PCO erkrankte, landete beim Frauenarzt, bekam Ultraschallbilder gezeigt und wartete auf die nächste Periode, die sich bei vielen Betroffenen aber nur sehr unregelmäßig zeigt. Was dabei regelmäßig übersehen wurde, war das eigentliche Problem. Das Fettgewebe, die Leber, die Insulinresistenz. PCO war nie wirklich eine Erkrankung der Eierstöcke. Es war immer eine systemische Stoffwechselstörung, die sich unter anderem an den Eierstöcken zeigte.

Das wissen Spezialisten seit Jahren. Jetzt steht es auch im Namen.


PMOS ist der neue, präzisere Begriff

Im renommierten Fachjournal The Lancet wurde in diesem Jahr ein globaler Konsens veröffentlicht. 56 wissenschaftliche, klinische und Patientenorganisationen haben sich nach einem achtstufigen Prozess auf eine neue Bezeichnung geeinigt. Mehr als 14.000 Betroffene und Fachleute wurden befragt. Das Ergebnis ist PMOS, polyendocrine metabolic ovarian syndrome, auf Deutsch etwa polyendokrines metabolisches ovarielles Syndrom.

PCO suggerierte, dass Zysten an den Eierstöcken das Kernproblem seien. PMOS benennt, was tatsächlich passiert. Eine Dysregulation mehrerer endokriner Achsen, vor allem einer Insulinresistenz und einer Erhöhung männlicher Sexualhormone (Androgene) oder eine erhöhte Empfindlichkeit des Gewebes gegenüber diesen Hormonen. Ein sogenannter Hyperandrogenismus, so heißt das Phänomen offiziell, ist meist direkte Folge der Insulinresistenz.


Warum das für Betroffene alles verändert

Etwa eine von acht Frauen im reproduktiven Alter ist weltweit betroffen, rund 170 Millionen Menschen. Viele wissen es nicht oder bekommen jahrelang keine Diagnose. Der alte Name trug dazu bei, die Erkrankung falsch einzuordnen. Eine Frau, die keine auffälligen Zysten im Ultraschall zeigt, aber unter Insulinresistenz, erhöhten Androgenwerten, Erschöpfung und zyklusunabhängigen Beschwerden leidet, fiel bisher durch das Raster. PMOS verschiebt den Blickwinkel weg vom Ultraschallbild hin zur Stoffwechselphysiologie.

Das hat direkte Konsequenzen. Screeningprogramme müssen neu gedacht werden. Therapien sollen stärker die Umkehrung der Insulinresistenz zu einer gesunden Insulinsensitivität ausgerichtet werden. Psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen und Angststörungen, die bei PMOS überproportional häufig auftreten, gehören systematisch in die Versorgung.


Was als Nächstes passiert

Die Autoren des Konsensuspapiers haben einen konkreten Umsetzungsplan bis 2028 vorgelegt. Leitlinien sollen überarbeitet, Diagnosekriterien angepasst und medizinische Kodiersysteme aktualisiert werden. Auch Patientenmaterialien sollen erklären, was der Namenswechsel bedeutet und warum er wichtig ist.

Für Betroffene wird deutlicher, wo ihr eigentliches Problem liegt. Wer das versteht, kann gezielter nach Unterstützung suchen und auf die eigene Gesundheit einwirken.




Quelle:

Teede HJ, Khomami MB, Morman R, et al. Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process. Lancet. Published online May 12, 2026. doi:10.1016/S0140-6736(26)00717-8