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Geh mal Holz hacken!
Dass Männer gerne Holz hacken, hat etwas mit einschlafenden Babys zu tun. Wieso?
Warum kippeln Schulkinder mit dem Stuhl?
Wieso wippen wir unbewusst mit dem Fuß, wenn wir konzentriert arbeiten?
Was hat das monotone Wellenrauschen am Strand damit zu tun?
Wie hängt der freie Kopf beim Sport treiben damit zusammen?
Oder warum verlieren Kinder beim Schaukeln so schnell ihre Gedanken?
Aus der Medizin kennen wir Bilder von Menschen, die an Selbstregulationsstörungen leiden. Das sind zum Beispiel Erkrankungen aus dem Autismus-Spektrum, ADHS, Angststörungen, Parkinson oder Demenz. Wir kennen das Erscheinungsbild von Betroffenen, wie sie, oft zusammengekauert, meist mit dem Oberkörper rhythmische Bewegungen ausführen. Das Hin- und Herwiegen des Rumpfes, rhythmisches Kopfwackeln oder andere monotone Ganzkörperbewegungen dienen jenen zur Spannungsregulation und Beruhigung. Diese Bewegungen werden als Jaktationen bezeichnet.
Während der Mensch in seiner vulnerabelsten Entwicklungsstufe, also als Säugling, diese Form der Stimulation benötigt, um in den Schlaf zu finden, wird ihm dieser Bewegungsdrang spätestens mit der Schuleinführung abtrainiert. Und doch zeigt sich immer wieder, dass wir uns nach diesen monotonen, rhythmisch-stimulativen Impulsen sehnen. Wir führen sie weitestgehend unbewusst aus, wenn wir in angespannten Situationen sind: nervöses Hippeln mit dem Bein, das Drehen eines Stiftes zwischen den Fingern, das Trommeln auf der Tischplatte oder ruheloses Auf- und Abgehen während eines Telefonats.
Schon die alten Kulturen haben sich diesen Effekt zunutze gemacht. Trommeln oder rhythmische Gesänge und Tänze finden sich in nahezu allen Traditionen der Welt. Denn auch bewusst ausgeführte Bewegungsmuster dieser Art, können genau Körper und Geist synchronisieren. Rhythmische Reize stimulieren das Nervensystem und senden über den Vagusnerv Signale an unseren Hirnstamm. Dadurch wird der Parasympathikus aktiviert – jener Teil unseres Nervensystems, der für Ruhe, Erholung und Regeneration zuständig ist. Herzfrequenz und Muskelspannung sinken, der Kopf wird klarer.
Aus dem Wettkampfsport ist mir diese Methode sehr geläufig. Es sind die urmenschlichen Trommelschläge auf den Brustkorb, das meditative Summen kurz vor dem Start, das rhythmische Ausschütteln der Arme oder aktivierende Schläge auf die Oberschenkel, die den Körper in den optimalen Erregungszustand versetzen. Novak Djokovic bringt es elegant auf den Punkt: „Breathing and rhythm help me control my mind.“
Dass wir oft genug genau diesen Zustand verfehlen, ist kein Geheimnis.
Man(n) sucht sich also Ausgleich. So verbindet unser Bedürfnis nach Rhythmus, das Holz hacken mit dem schlafenden Baby. Gleichmäßiges Schaukeln bringt ein Kind zur Ruhe, währen das monotone Heben und Senken der Axt schon so manchen muffligen Kopf zur Einsicht verholfen hat.
Was diesen Kontext betrifft muss ich schlussendlich noch loswerden, dass ich es nie verstanden habe, warum Kindern das Kippeln verboten wird. Allerdings bin ich nicht unvoreingenommen: Meine Eltern bekamen nach meinem ersten Schultag bereits einen Anruf der Lehrerin, da ich beim Kippeln viermal vom Stuhl gefallen war. Im Rückblick war es vermutlich nur ein früher Hinweis darauf, dass meine Talente eher im Wasser liegen.
Über den Autor:
“Justus Mörstedt widmete sich bis zu seinem 14. Lebensjahr in seiner Freizeit dem Triathlon, bevor er sich endgültig auf sein Lieblingselement, das Wasser, fokussierte und Finswimmer wurde. Seit 2019 ist er Sportsoldat und studiert und trainiert im Leistungszentrum Leipzig.
Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: „Hier lebe ich meinen Traum: Leistungssport und Medizinstudium. Mich fasziniert es, das neu Erlernte im Sportleralltag in die Praxis umzusetzen und somit den oft trockenen Inhalten ein wenig Leben einzuhauchen.“
Diese Kombination macht sich bezahlt: im Juli 2024 wurde er zweifach Weltmeister. Über 200 m Streckentauchen hält er den Weltrekord. Falls Sie neugierig geworden sind, was Finswimming ist, sehen Sie sich in den News um, oder werfen eine beliebige Suchmaschine an!
Forever young wurde ihm mit seinem Einstieg in den Profisport sozusagen „in die Wiege gelegt“. Sein Trainer sagte immer: „Wer hier mitmachen will, muss mindestens ein Strunz-Buch gelesen haben.“ Zu Wettkämpfen verteilte er den Sportlern immer Vitamineral 32. Mit den Jahren in Leipzig hat sich in seinem 24 Jahre jungem Kopf so einiges zusammengesammelt, was er gerne mit Sportlerkollegen unter anderem hier in den News teilt. Dabei unterstützen wir als forever young ihn als Sponsor."
