Wenn Ihnen Ihr Arzt ein Rezept vorschlägt mit einem Medikament, was sie von nun an nehmen sollen, dann schlägt Dr. Paul Mason vor, dass man seinen Arzt fragen sollte: „Haben Sie eine kontrollierte Studie nach Goldstandard, die zeigt, dass die Einnahme dieses Medikaments mein Leben verlängert?“ Diese einfache Frage sollte auch nach meiner Meinung immer erlaubt sein, denn es geht schließlich um das eigene Leben.

Paul Mason diskutiert diese Frage zum Beispiel am sehr bekanntem Arzneimittel Acetylsalicylsäure (ASS), bei dem uns vor einigen Wochen Kyra Kaufmann bereits mit einer höchst interessanten News drauf hingewiesen hat (siehe https://www.strunz.ch/aspree-studie-kein-ass-fuer-gesunde-aeltere-menschen.html), dass es keinen präventiven Nutzen hat, es aber sehr wohl ein Risiko gibt.

Nachdem die amerikanische Herzgesellschaft (AHA American Heart Association) viele Jahrzehnte ASS zur Prävention vor einem Herzinfarkt empfohlen hatte, musste sie aufgrund solcher Studien diese Empfehlung zurücknehmen. Danach wurde empfohlen, dass Patienten nach einem Infarkt ASS nehmen sollten, und zwar für den Rest ihres Lebens. Dem ist Paul Mason nachgegangen und hat sich die Studien angeschaut, auf denen diese Empfehlung basiert. Es waren in Summe 250 zitierte Studien!

Gut, dachte sich Paul Mason, doch wie viele von diesen 250 Studien sind sogenannte Doppelblindstudien? Zudem wollte Paul Mason schauen, wie viele Studien die Gesamtsterblichkeit betrachten und auswerten, da sich viele Wissenschaftler lediglich auf Blutwerte beziehen wie LDL, wo wir wissen, dass diese eher keine bis gar keine Aussagekraft haben.

Es waren immerhin vier Studien auf Basis dieses Goldstandards, wovon nur eine Studie einen tatsächlichen Nutzen auf die Gesamtsterblichkeit aufzeigte, die drei anderen nicht. In dieser einen Studie wurde den Patienten angeraten, einen Monat lang nach dem Herzinfarkt ASS zu nehmen. Dem Ergebnis dieser einen Studie stimmt Paul Mason auch zu, da man den biochemischen Hintergrund in den Wochen nach Infarkt kennt und eine Blutverdünnung in dieser Zeit nützlich ist. Es gibt jedoch keine einzige Studie, die aufzeigt, dass es einen Nutzen im Hinblick auf die Gesamtsterblichkeit gibt, ASS „bis zum Ende des Lebens“ zu nehmen.

Und es sei angemerkt: ASS ist leider nicht der einzige Fall, wir sehen das gleiche Ergebnis bei Statinen (siehe https://www.strunz.ch/nutzen-von-statinen.html).


Was nehmen wir mit?

Die einleitende Frage zu Beginn der News ist aus meiner Sicht absolut berechtigt und deckt die Fehler der Vergangenheit klipp und klar auf, die ganz offensichtlich eher auf Annahmen oder auf Interpretation von Surrogaten wie LDL beruhen, als eben auf harten Ergebnissen bezüglich der Gesamtsterblichkeit.



Quelle:

Extent of Low-density Lipoprotein Cholesterol Reduction and All-cause and Cardiovascular Mortality Benefit: A Systematic Review and Meta-analysis, Pierre Vladimir Ennezat et al., 2023, DOI: 10.1097/FJC.0000000000001345