In der Low Carb-Gemeinschaft gelten die sogenannten Pflanzenöle generell als problematisch, da in der Vergangenheit beim Verarbeiten der Öle zum einen Transfette entstanden sind und somit im Produkt – wie z.B. in Margarine – enthalten waren. Zum anderen wird befürchtet, dass der hohe Anteil an Omega-6-Fetten Entzündungen im Körper begünstigen kann.
Zum Thema Entzündungen habe ich in einem Vortrag von Dr. med. Eric Westman zwei interessante Studien gefunden, die das Thema etwas differenzierter darstellen. Denn zum einen diskutiert Eric Westman die Studie von Xingguo Wang, die aufzeigt, dass der Verzehr von Omega-6-Fett nicht automatisch zur Erhöung von Entzündungsfaktoren wie IL-6 oder TNF führt. Die Gruppe um Xingguo Wang hat in Summe 30 Doppelblindstudien mit insgesamt 1377 Teilnehmern ausgewertet. Das an sich ist eine zunächst einmal beruhigende Feststellung, auch wenn sich in einigen der ausgewerteten Studien der Entzündungswert C-RP erhöht hatte, vor allem dann, wenn die Teilnehmer deutlich mehr Linolsäure zu sich genommen hatten.
Neben dieser Studie diskutiert Eric Westman infolge die Studie von Perez-Jimenez, in der man verschiedene Öle erhitzt hat und danach in den Ölen Muffins zubereitet wurden. Man verwendete in der Studie vier verschiedene Öle bzw. Ölmischungen:
- VOO = Virgin Olive Oil (also kein Extra-Virgin)
- SFO = Sonnenblumenöl
- SOD = Sonnenblumenöl+Rapsöl und Dimethylpolysiloxane als Antioxidans
- SOP = Sonnenblumenöl+Rapsöl und Polyphenolen aus der Olivenölherstellung
So, schauen wir uns das Ergebnis von 20 Teilnehmern an, denen nach dem Verzehr dieses Frühstücks (jeder Teilnehmer hat einmal eine Zubereitungsvariante gegessen) Blut abgenommen wurde.
In beiden Graphen ist das reine Sonnenblumenöl als rechteckiges Symbbol dargestellt und man sieht sofort, dass bei dieser Zubereitung beide Entzündungswerte IL-1B wie auch IL-6 vier Stunden nach dem Verzehr signifikant gestiegen sind, hingegen bei dem verwendeten Olivenöl kein Anstieg zu erkennen ist. Und das, obwohl noch nicht einmal ein hochwertiges (extra virgin) Olivenöl verwendet wurde.
Was nehmen wir mit?
Mit dem Verzehr von Olivenöl ist man in jedem Fall auf der sicheren Seite, auf Basis dieser beiden Studien. Auch Olivenöl enthält durchaus einen nennenswerten Teil an Omega-6 von ca. 12 Prozent. Doch die Polyphenole schützen diesen Anteil sehr gut, so dass es auch beim Erhitzen zu keinen nennenswerten direkten Reaktionen bezüglich der Entzündungsparameter kommt. Kalt gepresstes Sonnenblumen-, Raps- oder Maiskeimöl sollte man hingegen mit deutlich mehr Vorsicht genießen und auf keinen Fall erhitzen. Ich persönlich meide diese Öle komplett und verwende ausschließlich Olivenöl.
Quellen:
Dietary linoleic acid intake and blood inflammatory markers: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials, Xingguo Wang et al., 2017, DOI: 10.1039/c7fo00433h
The postprandial inflammatory response after ingestion of heated oils in obese persons is reduced by the presence of phenol compounds, F. Perez-Jimenez et al, 2012, DOI: 10.1002/mnfr.201100533