Zirkuliert zu wenig Folsäure im Blut, hat Mann weniger Spermien – und die sind womöglich auch noch von schlechterer Qualität. Und das unabhängig von einem möglichen Vitamin B12-Mangel und/oder hohen Homocystein-Werten. Zu diesem Ergebnis kam ein spanisch-amerikanisch-norwegisches Forscherteam unter Beteiligung der Harvard T. H. Chan School of Public Health in Boston (USA) in einer aktuellen Querschnitts-Studie mit fast 200 gesunden Männern im Alter von 18 bis 40 Jahren.

Für ihre Arbeit, die im aktuellen „American Journal of Clinical Nutrition“ publiziert wurde, prüften die Wissenschaftler die Frage, inwieweit die Konzentrationen von Folsäure, Vitamin B12, Homocystein oder bestimmte ererbte genetische Varianten (SNP´s) Folsäure-abhängige Stoffwechselwege und damit die Spermienqualität beeinflussen können. Dafür wurden die Probanden klinisch untersucht, soziodemographische Daten sowie Lifestyle-Faktoren erfragt sowie eine Nüchternblutprobe entnommen und Samenproben gesammelt.

Ergebnis der Auswertungen: Verglichen mit den Probanden mit den höchsten gemessenen Folsäurespiegeln im Blutplasma und den roten Blutkörperchen hatten die Studienteilnehmer mit den niedrigsten Folsäure-Konzentrationen eine niedrigere Spermienzahl und ein deutlich höheres Risiko für Abweichungen im Spermiogramm (standardisierte Analyse der Samenflüssigkeit zur Prüfung der Fruchtbarkeit). Weder ein Vitamin B-12-Mangel noch erhöhtes Homocystein, das bislang als Risikofaktor für die Spermienqualität und Fruchtbarkeit galt, hatten laut dieser Untersuchung einen Einfluss auf die Spermienzahl. Lediglich ein bestimmter Genotyp (MTHFD1 1958AA, bei 14,4 Prozent der Probanden) ging mit einer um acht Prozent verringerter Spermienmobilität und verschlechterten Spermien-Parameter einher.

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Evidenz zum Einfluss von Folsäure wie auch von anderen Mikronährstoffen auf die Qualität der Samenzellen bislang widersprüchlich ist und dass auch andere in dieser Studie nicht berücksichtigte Faktoren wie etwa der Hormonstatus oder oxidativer Stress eine Rolle spielen können. P.S: Die Autoren weisen am Rande noch daraufhin, dass die jungen gesunden Probanden mit den höchsten Folsäure-Werten überwiegend mehr Fleisch und weniger Obst und Gemüse gegessen hatten...

PS: Auch Dr. Strunz hatte mehrfach auf die wichtige Rolle von Folsäure für gesunde Spermien hingewiesen. Warum das B-Vitamin Chromosomenschäden vorbeugen kann und was noch die Fruchtbarkeit beeinflusst, hier noch einmal zum Nachlesen: News vom 17.08.2019




Quelle:

https://ajcn.nutrition.org/article/S0002-9165(26)00194-2/fulltext