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4-Tage Woche: Vielleicht liegt’s am Eiweiß?
Ich wurde kürzlich im Diskurs über gesunde Ernährung überrascht. In meiner Welt ist es glasklar, dass Proteine neben Wasser die essenziellsten Bausteine des menschlichen Lebens sind. Dass ich daraus nicht auf die Allgemeinheit schließen kann, erfahre ich im Patientenkontakt immer wieder schmerzlich.
Wieso ist es Volksglaube, dass Eiweiß nicht zu den essenziellsten Bestandteilen unseres Daseins gehört?
Ich höre sogar Kommilitonen sagen:
- „Ja wo ist denn überhaupt viel Eiweiß drinnen?“
- „Aber da muss man wirklich auf seine Niere achten.“
Sapperlot… Wo fange ich nur an. Es ist ein Jammer, dass so leichtfertig alten Narrativen der Medizin Glauben geschenkt wird, ohne sie zu hinterfragen. Denn die Wissenschaft ist sich einig, dass dieses Thema (auch in den Lehrplänen der Universitäten) neu bewertet werden muss.
Viele Menschen stecken in ihrem Gedankenhorizont fest, der von der Berichterstattung der letzten Jahre geprägt ist. Was die Proteinversorgung betrifft, ist diese Meinung historisch gewachsen. Die gängigen Empfehlungen von 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht für Erwachsene basiert auf klassischen Stickstoffbilanz-Studien. Dabei wurde gemessen, wie viel Stickstoff (als Marker für Protein) aufgenommen und wieder ausgeschieden wird. Die Menge, bei der im Durchschnitt eine „Nullbilanz“ erreicht wurde, also weder Auf- noch Abbau stattfand, galt als Bedarf. Mit Sicherheitsaufschlag entstanden daraus die Ernährungsempfehlungen. Wir reden also von einem Mindestwert zur Mangelvermeidung.
Modernere Schätzungen auf Basis der Aminosäureoxidation schätzen selbst diesen Mindestwert höher: für Erwachsene soll dieser bei 0,9–1,2 g/kg liegen. Der Proteinbedarf wird für Menschen über dem 65. Lebensjahr noch höher eingeschätzt. Wenn doch aber die Niere geschützt werden soll, wieso wird Älteren dann mehr Protein empfohlen? Sie merken, worauf ich hinauswill. Die altersunterschiedlichen Empfehlungen entstehen, weil der Proteinbedarf je nach Lebensphase unterschiedliche Ziele verfolgt. Bei Kindern steht Wachstum und Gewebeaufbau im Vordergrund, bei älteren Menschen der Erhalt von Muskelmasse und Funktion, weil die Effizienz der Proteinverwertung aus biochemischer Sicht mit zunehmendem Alter abnimmt. Während die Referenzwerte für jüngere Erwachsene vor allem auf Mangelvermeidung (Stickstoffbilanz) beruhen, berücksichtigen höhere Empfehlungen bei Kindern und Älteren die akuten Stoffwechsellagen.
Nun frage ich mich: Diskutieren wir die 4-Tage-Woche vielleicht deshalb so leidenschaftlich, weil wir ohne ausreichend Protein einfach nicht genug Baustoff haben, um fünf Tage am Stück leistungsfähig zu bleiben? Auch das wird unsere Bilanz nicht retten. Denn wer auch noch daran denkt in der gewonnenen Freizeit Sport zu treiben, dem werden die Muskeln mit der Zeit dahinschmelzen.
Praxistipp aus dem Leistungssport: Eiweiß nach jeder Belastung. Ja, auch ein anspruchsvoller Arbeitstag zählt dazu. Mein persönlicher Wohlfühlbereich liegt bei über 2 g pro Kilogramm Körpergewicht. Für einen gesunden Einstieg können Sie sich an 1,4–2,0 g/kg orientieren. Und wer Probleme mit der Niere hat, der genießt die Rohform unserer Existenz: Aminosäuren.
Über den Autor:
“Justus Mörstedt widmete sich bis zu seinem 14. Lebensjahr in seiner Freizeit dem Triathlon, bevor er sich endgültig auf sein Lieblingselement, das Wasser, fokussierte und Finswimmer wurde. Seit 2019 ist er Sportsoldat und studiert und trainiert im Leistungszentrum Leipzig.
Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: „Hier lebe ich meinen Traum: Leistungssport und Medizinstudium. Mich fasziniert es, das neu Erlernte im Sportleralltag in die Praxis umzusetzen und somit den oft trockenen Inhalten ein wenig Leben einzuhauchen.“
Diese Kombination macht sich bezahlt: im Juli 2024 wurde er zweifach Weltmeister. Über 200 m Streckentauchen hält er den Weltrekord. Falls Sie neugierig geworden sind, was Finswimming ist, sehen Sie sich in den News um, oder werfen eine beliebige Suchmaschine an!
Forever young wurde ihm mit seinem Einstieg in den Profisport sozusagen „in die Wiege gelegt“. Sein Trainer sagte immer: „Wer hier mitmachen will, muss mindestens ein Strunz-Buch gelesen haben.“ Zu Wettkämpfen verteilte er den Sportlern immer Vitamineral 32. Mit den Jahren in Leipzig hat sich in seinem 24 Jahre jungem Kopf so einiges zusammengesammelt, was er gerne mit Sportlerkollegen unter anderem hier in den News teilt. Dabei unterstützen wir als forever young ihn als Sponsor."
