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Von TikTok in die Wissenschaft: Mit Rosmarin gegen Narben
Erst erprobten es „Influencer“ auf TikTok und Instagram, dann folgten die Wissenschaftler…Einem überraschenden Social Media-Hype verdankt die mediterrane Gewürz-und Heilpflanze Rosmarin jetzt ihr Comeback in der Forschung: Nachdem immer mehr Nutzer in sozialen Medien über Erfolge mit selbstgemachten Rosmarin-Cremes, -wässerchen und -ölen bei trockener Haut oder entzündeten Hautstellen berichteten und ihre Videos von narbenfrei abgeheilter Haut bis zu 20 Millionen Klicks erhielten, wurden auch ein Doktorand und eine Bachelor-Studentin der University of Pennsylvania in Philadelphia (USA) neugierig und wollten die postulierte Heilwirkung überprüfen.
Unter Anleitung des Dermatologen und Wundheilungs-Experten Professor Thomas Leung von der University of Pennsylvania führten sie schließlich Tierversuche im Labor durch, um die Wirkung von Rosmarin auf die Hautheilung und die zugrundeliegenden Heilmechanismen zu entschlüsseln. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich im biomedizinischen Fachjournal JCI Insights“ (Journal of Clinical Investigation).
Für ihre Versuche mischte die Arbeitsgruppe eine Creme mit einem in Alkohol gelösten Extrakt aus zerhackten Rosmarin-Blättern an und behandelten damit Wunden in Maus-Ohren. Eine Maus-Kontrollgruppe erhielt nur eine Rosmarin-freien Creme als Wundversorgung. Ergebnis: Die mit der Kräuter-Creme behandelten Mäuseohren heilten schneller ab; histologische Gewebeuntersuchungen zeigten zudem, dass sich die Hautstruktur einschließlich Haarfollikel, Talgdrüsen und subkutanem Fettgewebe schneller regeneriert hatte.
Diese Effekte überprüfte die Arbeitsgruppe zudem bei sechs Millimeter tiefen Wunden im Rückenbereich der Mäuse, einem Hautareal, in dem die Tiere häufiger Narben ausbilden. Auch hier lautete das Ergebnis: In den mit der Rosmarin-Creme behandelten Wunden regenerierte sich das verletzte Gewebe deutlich schneller und ohne Gewebsverhärtung im Vergleich zur Kontrollgruppe, in der die Tiere nur mit Placebo-Creme behandelt wurde.
Als maßgebliche Heilsubstanz, die die Wundheilung beschleunigt und offenbar eine Narbenbildung verhindert, identifizierten die Forscher Carnolsäure aus dem Kraut. Eine Behandlung der Ohr-Wunden der Mäuse mit einer Creme, die ausschließlich Carnolsäure enthielt, führte binnen vier Wochen zu einer 90-prozentigen Verkleinerung der Wunde ohne jegliche Vernarbung ¬– im Vergleich zur 35-prozentigen Wundheilung in der Mäuse-Vergleichsgruppe.
Das Diterpen Carnolsäure gilt als stark entzündungshemmend und wird in der Volksmedizin schon seit Generationen sowohl innerlich (z.B. als Tee) und äußerlich (z.B. als Salben, Gele) bei rheumatischen Erkrankungen angewandt. Carnolsäure und Carnosin aus Rosmarin gelten als starke Antioxidantien, die die Oxidation von Lipiden verhindern. Was übrigens auch dazu führt, dass Lebensmittel länger haltbar sind.
Mal wieder mein Senf zum Thema: Erfahrungen von Menschen landen auf dem wissenschaftlichen Prüfstand und werden womöglich Grundlage neuer Forschungen und Therapien – gefällt mir! PS: Auch Vitamin C hat einen positiven Effekt auf die Wundheilung. Warum das so ist, lesen Sie hier:
https://www.drstrunz.de/wissen/details.php?id=122341
Quellen:
Rapp E, Pang J, Saeednia B, Prouty SM, Reilly CA, Leung TH. Carnosic acid in topical rosemary extract enhances skin repair via TRPA1 activation. JCI Insight. 2025 Oct 23;10(23):e196267. doi: 10.1172/jci.insight.196267. PMID: 41129748.
https://www.pennmedicine.org/news/study-says-rosemary-in-skincare-trend-is-worth-the-hype
Über die Autorin:
Marion Meiners ist ausgebildete Verlagskauffrau und Journalistin und arbeitete viele Jahre für Zeitschriften als Redakteurin für Gesundheit und Ernährung. Zusammen mit Labor-Professor Hans-Peter Seelig schrieb sie das Buch „Laborwerte klar und verständlich“.
Ihre Begeisterung für Medizinthemen entdeckte sie in frühen Berufsjahren, nachdem ihr eine Verwandte einen Pschyrembel schenkte. Seither heißt ihr digitales „Wohnzimmer“ PubMed und die Faszination für die Ursachen-Fahndung bei Krankheiten sowie die Effekte von Ernährung und Lebensstil auf die Gesundheit hält an.
Das sagt sie über ihre Tätigkeit:
„Alles hängt mit allem zusammen im Körper. Das ist leider in unserer „Schubladen“-Medizin noch nicht so ganz angekommen. Ein Nährstoffmangel kann etwa ebenso fatale Auswirkung auf alle Organsysteme haben wie z.B. ein kranker Zahn. Umgekehrt kann schon eine veränderte Zusammenstellung der Makro-oder Mikronährstoffe in der Ernährung gigantische therapeutische Effekte entfalten. Welche, und wie gut belegt diese sind – darüber möchte ich informieren.“
