Eine Trichomonaden-Infektion – darüber spricht keiner gerne. Gilt als Tabu-Thema. Dabei ist die Trichomoniasis, verursacht durch den einzelligen Parasiten Trichomonas vaginalis, mit 156 bis 170 Millionen Fällen die weltweit häufigste nicht-virale sexuell übertragene Infektion. Sie betrifft zwar meist Frauen (120 Millionen pro Jahr oder 70 Prozent der jährlichen Neuinfektionen), aber auch Männer bleiben nicht verschont. Das Tückische: Rund 80 Prozent der Infizierten spüren keine oder kaum Symptome – und bleiben somit unbemerkt ansteckend.
Bei Frauen befällt der Erreger die Schleimhäute von Vagina und Harnröhre, kann sich aber auch auf dem Gebärmutterhals oder im Enddarm ansiedeln. Bei Männern findet sich der Parasit vorwiegend in der Harnröhre, der Vorhaut und der Prostata. Weshalb Mediziner ihn auch als „Trichomonas urogenitalis“ bezeichnen.
In Folge können Entzündungen der Scheide, des Gebärmutterhalses oder der Blase entstehen; bei Männern auch Harnröhren- oder Prostata-Entzündungen und -vergrößerungen. Schlimmer noch: Die stillen und chronischen Entzündungen können womöglich zu Gebärmutterhals- und Prostatakrebs führen. Diesen Verdacht äußern inzwischen mehrere Studienautoren.
Erstaunlicherweise gibt es hierzulande trotzdem keine Meldepflicht für eine Infektion mit dem tückischen Erreger. Selbiges gilt für die USA, da das CDC (Center for Disease Control and Prevention) die gesundheitlichen Folgen der Infektion als gering eingestuft hat.
Was macht Trichomonas vaginalis so tückisch? Der Parasit braucht von seinem Wirt Eisen (in hohen Mengen) und Glukose für sein Überleben. Na, das ist doch ganz einfach, mag mancher denken: Dann essen wir einfach keine Kohlenhydrate mehr, senken den Blutzucker und hungern den Erreger aus... Leider falsch – und gefährlich: Studien zeigen, dass der Parasit unter Glukoserestriktion noch viel gefährlicher wird und mehr gesunde Zellen in den Tod treibt. Zudem rüstet er dann seine Waffen gegen Abwehrstoffe des Immunsystems wie Wasserstoffperoxid auf, da er über ein perfektes Antioxidantien-System verfügt.
Na gut, dann essen wir eben kein Fleisch mehr und setzen Trichomonas auf Eisendiät? Schlechte Idee – dann verwandelt sich der Protozoon in Pseudo-Zysten, fährt die Anzahl seiner Lactoferrin-bindenden Rezeptoren hoch und klaut sich das Eisen aus dem eisenhaltigen Protein Lactoferrin statt aus dem Blutfarbstoff Hämoglobin…
Fazit: Ein paar Kohlenhydrate sollte man essen – und nicht auf Eisen verzichten. Es wird vom Immunsystem zwingend benötigt. Wichtiger ist, bei entsprechenden Beschwerden im Harnwegs-oder Genitalbereich den Erreger zu bestimmen und bei entzündetem Gebärmutterhals auch an Trichomonas zu denken. Zur Behandlung wurden bislang das Antibiotikum Metronidazol sowie das Nitroimidazol-Antiparasitikum Tinidazol angeraten; heute bleibt fast nur Ersteres, da Tinidazol in Deutschland und weiten Teilen Europas nicht mehr auf dem Markt ist. Aus wirtschaftlichen Gründen, wie es heißt.
PS: Kleiner Trost, da außer Antibiotika nur wenig bleibt: Publizierte Fallberichte über die Anwendung Borsäure-haltiger Vaginalzäpfchen deuten darauf hin, dass Bor eine Wirkung gegen den Parasiten entfalten kann. Und: Ein hoher Folsäurespiegel kann bakterieller Vaginitis vorbeugen – und womöglich auch bei Trichomonaden-Infektionen von Nutzen sein.
Quellen:
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https://www.msdmanuals.com/de/profi/infektionskrankheiten/geschlechtskrankheiten/trichomoniasis
https://www.gesundheitsinformation.de/trichomonaden-infektion-trichomoniasis.html