Das Fleisch der Zukunft, so glauben und hoffen manche Menschen, kommt ohne das Schlachten von Tieren, ohne Klimabelastung (etwa durch pupsende Kühe), mit „gesünderen“ Fettsäuren und ohne Antibiotika-Einsatz im Tierfutter aus. „Laborfleisch“, „Clean Meat“ oder „In-vitro-Fleisch“ heißt das neue Wunsch-Fleisch, das in Laboren aus den Muskelzellen echter Tiere kultiviert, vermehrt und designt wird. In Europa sind aktuell etwa 20 Start-ups mit der Entwicklung und Produktion dieses halbkünstlichen Designer-Fleischs befasst.

Ob ein klimaschonendes Filet aus der Petrischale auch gesünder ist als ein konventionelles Rib-Eye-Steak vom Weiderind, ist bislang mangels Studien nicht klar. Jetzt aber hat ein Forscherteam der University of Canterbury in Christchurch (Neuseeland) in einer Studie die Proteine in kultivierten Rindfleisch-Zellkulturen analysiert und diese mit denen im Muskelgewebe aus natürlichem Fleisch verglichen; geprüft wurde, inwieweit bei der Laborzüchtung Veränderungen in den Eiweißen entstanden und ob und wie viele allergenen Proteine vorhanden sind. Ihre Arbeit publizierten die Wissenschaftler im „Journal of Agriculture and Food Research“.

Resultat: Laborfleisch enthält andere Mengen an Proteinen als das klassische Steak; zudem fanden die Forscher ein abweichendes Allergen-Potential im Designer-Fleisch. Drei als Lebensmittel-Allergen eingestufte Eiweiße waren im Kunstfleisch im geringeren Maße vorhanden als im nativen Muskelfleisch. Und: Ein Antikörper-Tests mit Immunglobulin E zeigte beim Petrischalen-Steakgewebe eine starke Reaktion und lieferte damit Hinweise darauf, dass ein Zuckermolekül mit dem Namen „alpha-Gal“ im Laborfleisch offenbar häufiger vorhanden war als im Naturfleisch.

Das „Alpha-Gal-Syndrom“ ist eine immunologische/allergische Reaktion auf das Kohlenhydrat Galactose-alpha-1,3-Galactose, das in den Zellmembranen der meisten Säugetieren vorkommt, aber nicht beim Menschen. Eine solche Allergie, so wird vermutet, kann nach einem Zeckenstich auftreten und Symptome wie Nesselsucht, Magen-Darm-Beschwerden oder gar einen anaphylaktischen Schock verursachen. Betroffenen wird geraten, künftig tierische rotes Fleisch und Innereien zu meiden. Die Autoren sehen wegen dieses Allergens in Kunstfleisch ein mögliches Risiko für alpha-gal-Allergiker.

Zugelassen ist In-vitro-Fleisch bislang erst in Singapur, den USA (für im Labor gezüchtetes Schweinefett bzw. Speck) sowie in Australien und Neuseeland. Großbritannien hat als erstes Land in Europa vor kurzem die Verwendung von Laborfleisch in Tiernahrung zugelassen: Die ersten Hunde-Leckerlis („Chick Bite“) sind mittlerweile dort auf dem Markt.

PS: Gut zu wissen für den nächsten Urlaub – bei den traditionsbewussten Italienern kommen weiterhin kein Designer-Saltimbocca, Zellkultur-Parmaschinken oder Petrischalen-Carpaccio auf den Tisch – in Italien sind Herstellung und Verkauf von Laborfleisch seit 1923 verboten...




Quellen:

Altered Levels of Known Allergens in Cultured Primary Bovine Myoblasts for Cultivated Meat Hamish J. F. Trlin, Rachel Z. Bennie, Olivia J. Ogilvie, Jin Kyo Oh, Ang Jin, Antoine H. P. America, Henk A. Schols, Carol de Ram, Shanna Bastiaan-Net, Anouk Boudewijn, Evelyne Maes, Gijs Kleter, Laura J. Domigan, and Renwick C. J. Dobson Journal of Agricultural and Food Chemistry 2026 74 (8), 7098-7109 DOI: 10.1021/acs.jafc.5c10735

https://euractiv.de/news/hersteller-von-laborfleisch-bereiten-sich-auf-zulassungsverfahren-vor/

https://www.aok.de/pk/magazin/ernaehrung/lebensmittel/in-vitro-fleisch-vor-und-nachteile-von-kuenstlichem-fleisch/

https://www.topagrar.com/perspektiven/news/invitro-fleisch-fisch-produkte-zulassung-staaten-weltweit-i-20002690.html