Erneut findet sich ein vermeintlich paradoxes Verhalten des menschlichen Körpers. Ich hatte bereits vor einiger Zeit den Vortrag von Jessica Turton zusammengefasst, der beschreibt, dass die Teilnehmer der kleinen Studie erst abgenommen haben, als sie mehr Kalorien zu sich genommen haben, nur eben die richtigen. Einen ähnlich „schrägen“ Fall kann ich Ihnen heute beschreiben.
Mein lieber Korrektor Chris ist ein ambitionierter Sportler. Er trainiert zweimal die Woche Maximalkraft an den Ringen für drei Stunden, kombiniert mit Gewichtstraining. Zudem integriert er einen lockeren Lauf über 8 Kilometer und einen längeren Lauf über 40 Kilometer in das wöchentliche Training. Dabei ernährt sich Chris primär streng ketogen mit ca. 20 Gramm Kohlenhydraten und sehr viel Eiweiß.
Nun hat Chris noch einen Tag in der Woche eingebaut, an dem er ca. 15 Sprints auf der Bahn eingebaut hat. Plötzlich bildete sich am Bauch ein leichtes Fettpolster. Wie kann das sein, obwohl Chris doch das gleiche an Nahrung zu sich nimmt und das Training sogar intensiviert hat?
Die Antwort lautet: Cortisol. Chris hat in seinem Körper das sozusagen maximale Stresslevel erreicht, bei dem sein Körper perfekt funktioniert. Durch diese zusätzlichen intensiven Einheiten ist der Stress alias Cortisol über einen Bereich gestiegen, wo der Körper erwartungsgemäß reagiert.
Und nun kommt eine überraschende kleine Umstellung hinzu. Chris hat 80 weitere Gramm Kohlenhydrate über Beeren und Gemüse integriert, den Sport so beibehalten und siehe da: Die kleinen Fettpolster am Bauch sind wieder verschwunden.
Ich kenne dieses Problem auf eine andere Art und Weise aus der Vergangenheit. Wenn ich über mehrere Tage weniger als 50 Gramm Kohlenhydrate gegessen habe, dann ist mein Puls bei identischer Belastung ca. 15 Schläge höher gewesen und meine Herzratenvariabilität (HRV) hat sich nahezu halbiert. Habe ich dann wieder mehr Kohlenhydrate zu mir genommen, war der Spuk nach wenigen Tagen vorbei.
Der biochemische Hintergrund liegt in der Ausschüttung von Cortisol, da wir Menschen ganz unterschiedlich auf äußere Einflüsse wie Sport oder auch Nahrung reagieren. Wenn wir keine Kohlenhydrate zu uns nehmen, also nahezu gar keine, dann muss der Körper die Menge von ca. 80 Gramm Kohlenhydraten selbst herstellen. Das kann er, aber er benötigt dafür kleine Mengen an Cortisol. Bei Chris hat diese kleine Menge an Kohlenhydraten gereicht, um sein Gesamtstresslevel wieder soweit zu senken, dass sein Körper kein Fett mehr ansetzt.
Was nehmen wir mit?
Der Körper kann auch durch den kompletten Verzicht auf Kohlenhydrate leicht unter Stress geraten, was man im gesunden Körper zunächst nicht bemerkt. Einige Leser und Klienten berichten hier bereits über schlechteren Schlaf, doch häufig bleibt das zunächst unbeobachtet. Doch bei anderen können in diesem Szenario nun weitere Messwerte wie Herzrate und HRV schlechter werden oder der Körper reagiert mit einem leichten Bauchansatz. Und wenn man dann mehr isst, gehen diese Befindlichkeiten weg, ohne dass man zunimmt. Das liegt im Kern daran, dass wir von Hormonen gesteuert sind und eben keine einfachen Verbrennungsöfen sind mit der einfachen Regel: „Kalorien rein = Kalorien raus“.
Übrigens: Das Thema Bewegung und Ernährung ist natürlich auch wieder Bestandteil unseres Seminars am Timmendorfer Strand! Neugierig? Hier gibt´s die Infos!