Viele Long-Covid-Betroffene erleben Brain Fog, Erschöpfung und Stimmungstiefs Monate oder sogar Jahre nach der Infektion. Etwas stimmt nicht, und der Grund ist nicht psychosomatisch. Es wird viel zu diesem Problem geforscht. Zwar ist noch nicht alles erkannt, doch eines ist bereits eindeutig: Es gibt viele verschiedene Faktoren, die zu Long COVID beitragen, und diese unterscheiden sich von Person zu Person.
Anfang März 2026 hat ein kanadisches Forscherteam einen der vielen verschiedenen Mechanismen beschrieben, der bei einigen Betroffenen die Symptome erklären kann. Dieser spielt sich nicht im Gehirn, sondern im Darm ab.
Wenn Darmbakterien problematische Stoffe in den Blutkreislauf schicken
Bei Long-COVID-Patienten mit neurologischen Symptomen stellten die Forscher spezielle Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien fest. Das Mikrobiom dieser Menschen zeigte eine anhaltende Dysbiose, also ein Zuviel an schädlichen und ein Zuwenig an gesundheitsfördernden Bakterien, und das auch noch Monate nach der Infektion. Außerdem produzierten die schädlichen Bakterien besonders aggressive Stoffe, sogenannte Gut Microbiota-Derived Extracellular Vesicles (GMEVs), die vom Darm in die Blutbahn übergehen. GMEVs sind winzige Fettkügelchen, die mit entzündlich wirkenden Botenstoffen beladen sind. Wenn sie vom Darm in den Körper gelangen, führen sie zu Entzündungen, die sich bis ins Gehirn auswirken können.
Was passiert, wenn man das Long COVID-Mikrobiom auf Mäuse überträgt
Um zu beweisen, dass die Darmflora die Ursache und nicht nur eine Begleiterscheinung ist, übertrugen die Wissenschaftler das Mikrobiom von Long-COVID-Patienten auf keimfreie Mäuse. Das Ergebnis war eindeutig. Die Tiere entwickelten eine durchlässige Darmwand und zeigten entzündliche Veränderungen im Gehirn, obwohl sie nie mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen waren.
Noch aufschlussreicher war ein weiterer Versuch. Dabei wurden die GMEVs der Long-COVID-Patienten isoliert und den Mäusen unter das Futter gemischt. Die GMEVs reichten aus, um das Mikrobiom der Tiere zu verändern, die Darmschleimhaut zu schädigen und Entzündungsprozesse im Gehirn auszulösen.
Was Long-Covid-Patienten tun können
Wer unter anhaltenden Beschwerden nach einer Corona-Infektion leidet, sollte sein Mikrobiom untersuchen lassen. Mikrobiomuntersuchungen haben in den letzten Jahren erheblich an Qualität und Aussagekraft gewonnen. Eine sinnvolle Analyse geht dabei über eine einfache Übersicht hinaus. Sie sollte die Biodiversität im Darm erfassen, denn ein artenreiches Mikrobiom ist stabiler. Gleichzeitig sollte das Vorhandensein pro-inflammatorischer Bakterienstämme abgebildet werden. Liegt eine Dysbiose vor, sollte diese behandelt werden. Wie das funktioniert, beschreibt Dr. Strunz in seinem Buch „77 Tipps für einen gesunden Darm”. Hyne, 2023.
Quelle:
Aranguren M, Doyon-Laliberté K, Boncheva I, et al. Microbiota-derived extracellular vesicles link intestinal dysbiosis to neuroimmune activation in long COVID. bioRxiv. Published online February 28, 2026. doi:10.64898/2026.02.28.708602