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Koffein und Demenzrisiko – Was sagen die aktuellen Studiendaten?
Kaffee gehört weltweit zu den beliebtesten Getränken und seit Jahren wird diskutiert, ob er mehr ist als nur ein Wachmacher. Insbesondere Koffein und weitere bioaktive Inhaltsstoffe wie Polyphenole stehen schon lange im Fokus der Forschung. Sie könnten durch die Reduktion von oxidativem Stress und Neuroinflammation zur Neuroprotektion beitragen. Doch wie belastbar ist die Evidenz?
Experimentelle Studien lieferten bereits mehrere Hinweise darauf, wie Koffein auf das Gehirn wirken könnte. Als Antagonist an Adenosin-Rezeptoren moduliert Koffein die synaptische Übertragung. In präklinischen Modellen zeigte sich, dass eine chronische Koffeinexposition Prozesse beeinflussen kann, die für die Alzheimer-Demenz relevant sind – darunter auch der Amyloid-β- und der TAU-Stoffwechsel. Beobachtet wurden unter anderem eine Senkung des Amyloid-β-Spiegels sowie eine Verbesserung neuronaler Plastizität und mitochondrialer Funktion.
Ein weiterer möglicher Mechanismus ist die Reduktion proinflammatorischer Zytokine im Gehirn. Neuroinflammation gilt als zentraler Treiber neurodegenerativer Erkrankungen. Koffein könnte hier regulierend eingreifen und entzündliche Prozesse abschwächen. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Koffein die Insulinsensitivität erhöht und das Risiko für Typ-2-Diabetes senkt – ein weiterer bekannter Risikofaktor für Demenz. Auch vaskuläre Funktionen im Gehirn könnten von Kaffee profitieren, was angesichts der Bedeutung der zerebralen Durchblutung für die kognitive Leistungsfähigkeit relevant ist.
Neben Koffein enthält Kaffee zahlreiche weitere bioaktive Substanzen wie Polyphenole, Chlorogensäure und Catechine. Diese wirken antioxidativ, reduzieren oxidativen Stress im Gehirn und könnten ebenfalls zur Verbesserung der cerebrovaskulären Funktion beitragen.
Ob sich diese experimentellen Erkenntnisse in der Bevölkerung widerspiegeln, untersuchten Dong D. Wang vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und sein Team anhand zweier großer US-amerikanischer Kohorten: der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study. Insgesamt wurden 86.606 Frauen und 45.215 Männer in die Studie eingeschlossen. Alle Teilnehmenden füllten regelmäßig Ernährungsfragebögen aus und waren zu Studienbeginn frei von Demenz, Morbus Parkinson oder Krebs.
Über eine durchschnittliche Nachbeobachtungszeit von immerhin 36,8 Jahren wurden 11.003 Demenzfälle dokumentiert. Nach Adjustierung für potenzielle Störfaktoren wie Alter, Alkoholkonsum, Rauchen und Energieaufnahme war ein höherer Konsum von koffeinhaltigem Kaffee signifikant mit einem geringeren Demenzrisiko assoziiert. Im Vergleich des höchsten mit dem niedrigsten Quartil des Kaffeekonsums entsprach dies einer Risikoreduktion von 18 % (41 versus 330 Fälle pro 100.000 Personenjahre).
Zudem zeigte sich in der NHS-Kohorte ein Zusammenhang zwischen höherem Kaffeekonsum und besserer objektiver kognitiver Leistungsfähigkeit. Interessanterweise war der Zusammenhang nicht linear: Die stärksten protektiven Effekte wurden bei etwa zwei bis drei Tassen koffeinhaltigem Kaffee pro Tag beobachtet. Ein noch höherer Konsum führte dann nicht mehr zu einer weiteren Risikoreduktion.
Auch für koffeinhaltige Tees wie Schwarz- oder Matcha-Tee zeigten sich ähnliche, jedoch weniger stark ausgeprägte Zusammenhänge. Das im Tee teils als „Tein“ bezeichnete Koffein ist chemisch identisch mit Koffein.
Der größte Unterschied fand sich bei ein bis zwei Tassen täglich. Matcha, traditionell in Japan zu medizinischen und zeremoniellen Zwecken genutzt, wird zunehmend als Kaffee-Alternative beworben.
Auffällig aber ist, dass entkoffeinierter Kaffee weder mit einem geringeren Demenzrisiko noch mit einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit assoziiert war. Dies spricht dafür, dass Koffein eine entscheidende Rolle spielt.
Die aktuellen Daten aus Kohortenstudien mit über 130.000 Teilnehmenden liefern Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen moderatem Konsum von koffeinhaltigem Kaffee und einem geringeren Demenzrisiko. Dennoch lässt sich – anders als es in der Presse in den letzten Wochen mehrfach dargestellt - daraus kein wirklicher kausaler Zusammenhang ableiten. Zudem arbeiteten alle Teilnehmenden im Gesundheitsbereich, was die Übertragbarkeit auf die Allgemeinbevölkerung einschränken könnte.
Klar ist: Koffein und Polyphenole besitzen biologisch plausible neuroprotektive Eigenschaften. Ob und in welchem Ausmaß sie tatsächlich vor Demenz schützen, müssen zukünftige randomisierte Studien zeigen. Bis dahin scheint ein moderater Kaffeekonsum von zwei bis drei Tassen täglich zumindest aus neurologischer Sicht vorteilhaft. Für mich – und sicher auch für viele andere Kaffeeliebhaber – sind das durchaus gute Nachrichten.
Quelle:
Zhang Y, Liu Y, Li Y, Li Y, Gu X, Kang JH, Eliassen AH, Wang M, Rimm EB, Willett WC, Hu FB, Stampfer MJ, Wang DD. Coffee and Tea Intake, Dementia Risk, and Cognitive Function. JAMA. 2026 Feb 9:e2527259. doi: 10.1001/jama.2025.27259. Epub ahead of print. PMID: 41661604; PMCID: PMC12887839.
Über die Autorin:
"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.
Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.
