Im ersten Teil habe ich von einer Studie berichtet, in der der Einfluss einer ketogenen Ernährung auf die Schilddrüsenfunktion untersucht wurde. Es ging um den abfallenden Insulinspiegel, der bei einer ketogenen Ernährung T₃ senken und rT₃ erhöhen kann, während der TSH oft stabil bleibt. In dieser News werde ich auf zwei weitere Aspekte aus der Studie eingehen, und zwar den Einfluss des Cortisol-Spiegels und gewisser Mineralstoffe und Vitamine auf die Schilddrüsenhormone.


Kohlenhydrat-Entzug als Stressor

Zu Beginn einer ketogenen Ernährung steigt der Cortisolspiegel meistens vorübergehend an. Das ist eine natürliche Reaktion, da der Körper das Wegbleiben der Kohlenhydrate zunächst als eine Gefahr interpretiert. Cortisol reduziert die Aktivität des Enzyms, welches T4 in T3 umbaut, die sogenannte Deiodinase. In der letzten News zu diesem Thema habe ich erklärt, wie ein reduzierter Insulinspiegel ebenfalls die Deiodinase-Aktivität reduziert. Somit wirken zu Beginn einer ketogenen Ernährung zwei unterschiedliche Prozesse, die beide die Herstellung des aktiven Schilddrüsenhormons T3 reduzieren. Nach 6 bis 8 Wochen normalisiert sich der Cortisol-Spiegel bei den meisten wieder. Wurden vor der Ernährungsumstellung zu viele Kohlenhydrate konsumiert, zeigt sich nach der Anfangsphase sogar ein besserer Cortisolspiegel als zuvor, da ein Zuviel an Kohlenhydraten das Stresshormon dauerhaft erhöht und dieses Problem mit der Umstellung auf eine ketogene Ernährung wegfällt.


Mineralstoffversorgung ist besonders wichtig

Ob sich ausreichend aktives T3 bildet, hängt aber nicht nur vom Insulin- und vom Cortisolspiegel ab, sondern auch von wichtigen Nährstoffen:

  • Selen ist ein Kofaktor des Enzyms, welches T4 in T3 umwandelt. Mangelt es an Selen, stockt der Umbau.
  • Zink stabilisiert das Enzym, und ein stabiles Enzym funktioniert besser als ein unstabiles.
  • Eisen kurbelt die Aktivität des Enzyms an. Ein aktives Enzym leistet mehr Umbauten als ein nicht so aktives.
  • Vitamin A regt die Genexpression des Enzyms an, das bedeutet, dass die Baupläne für das Enzym häufiger abgelesen werden und das Enzym vermehrt hergestellt wird. Mehr Enzyme können mehr T4 in T3 umwandeln.


Was die Autoren der Studie empfehlen

Die Autoren sehen viele Vorteile in einer ketogenen Ernährung, insbesondere die verbesserte Insulinsensitivität, stabilere Blutzuckerwerte, Gewichtsreduktion und weniger systemische Entzündung.

Sie weisen aber darauf hin, die Schilddrüse dabei nicht zu vergessen. Wer unter ketogener Ernährung Erschöpfung, Kälteempfindlichkeit oder Stimmungstiefs entwickelt, sollte fT₃, fT₄ und rT₃ sowie Selen, Zink, Ferritin und Vitamin A im Labor untersuchen lassen.

Für Menschen mit Hashimoto, behandelter Hypothyreose oder chronischem Stress kann langfristig eine moderate Low-Carb-Ernährung mit etwas höheren Kohlenhydratmengen besser geeignet sein.




Quelle:

Vranjić et al. Ketogenic Diet and Thyroid Function: A Delicate Metabolic Balancing Act. Curr Issues Mol Biol. 2025;47:696.