Eine im Jahr 2025 im Fachjournal Current Issues in Molecular Biology veröffentlichte Studie beschäftigt sich mit dem Einfluss einer ketogenen Ernährung auf die Schilddrüsenfunktion. Die Autoren raten nicht von einer ketogenen Ernährung ab und nennen viele der gut belegten gesundheitlichen Vorteile. Allerdings plädieren sie dafür, die Schilddrüsenfunktion dabei im Blick zu behalten.
Was mit den Schilddrüsenhormonen passieren kann
Kohlenhydrate aktivieren indirekt das Enzym, welches in der Leber T₄ in aktives T₃ umwandelt. Es heißt Deiodinase 1, kurz DIO1. Die eigentliche Aktivierung erfolgt durch Insulin, welches die Herstellung des Enzyms in der Leber steigert. Der Körper registriert die verfügbare Energie in Form von Kohlenhydraten und gibt der Schilddrüse somit das Signal: „Alles ist gut versorgt. Bau ruhig kräftig aktives T₃, damit die Energieherstellung in den Zellen hochgefahren wird.“
Bei einer ketogenen Ernährung ist der Insulinspiegel jedoch konstant niedrig. Das hat seine Vorteile, da es dadurch vor allem zu weniger chronischen Entzündungen und somit zu weniger chronischen Erkrankungen kommt. Allerdings sollte das aktive T₃ nicht zu stark absinken und vor allem das reverse T₃ (rT₃) nicht zu stark ansteigen (siehe News von 25.03.2026).
Anpassung von einem Problem unterscheiden
Bei gesunden Menschen ist diese hormonelle Verschiebung eine normale Schutzreaktion. Der Körper drosselt den Energieverbrauch, da weniger Kohlenhydrate zur Verfügung stehen. Die Wissenschaftler ziehen sogar in Betracht, dass nicht nur das Enzym, welches die Umwandlung von T4 zu T3 steuert, herunterreguliert wird, sondern dass außerdem Beta-Hydroxybutyrat, der wichtigste Ketonkörper, direkt auf Hypothalamus und Hypophyse wirkt und die Schilddrüsenaktivität reduziert.
Problematisch wird es, wenn diese Anpassung zusammen mit Nährstoffmängeln, chronischen Entzündungen oder Entgiftungsproblemen auftritt. Mögliche Folgen sind Erschöpfung, Kälteempfindlichkeit, Stimmungstiefs und ein verlangsamter Stoffwechsel.
Das Problem erkennen
Bei Routineuntersuchungen wird häufig nur der TSH-Wert gemessen. TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon und wird von der Hypophyse produziert, um die Schilddrüse zur Bildung der Hormone T3 und T4 anzuregen. Bei der Anpassung durch eine ketogene Ernährung verbleibt der TSH-Wert aber häufig im normalen Bereich. Das Problem wird mit einer Standarduntersuchung also nicht erkannt.
Besonders gefährdet sind Frauen mit Hashimoto, behandelter Hypothyreose, PCOS oder chronischem Stress. Wenn sich ihr allgemeines Wohlbefinden durch eine ketogene Ernährung verschlechtert, sollten sie ihre Schilddrüsenhormone untersuchen lassen, und zwar alle: T3, T4, reverse T3 und TSH. Bei niedrigen T3-Werten und erhöhten reverse-T3-Werten ist eine wohldosierte Erhöhung der Kohlenhydratmenge ratsam. Auch auf Intervallfasten sollte verzichtet werden.
Quelle:
Vranjić et al. Ketogenic Diet and Thyroid Function: A Delicate Metabolic Balancing Act. Curr Issues Mol Biol. 2025;47:696.