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Gar nicht lachhaft: Lachgas vertreibt Depressionen
Lachgas, chemisch Distickstoffmonoxid, kann selbst in Fällen von schweren und therapie-resistenten Depressionen („Major Depression“) einschließlich biopolarer Störungen die klinischen Symptome deutlich mildern und die Stimmung schnell verbessern. Auf diese Erkenntnis hatten Wissenschaftler bereits in früheren kleinen Studien hingewiesen. Jetzt überprüfte auch ein Forscherteam der britischen Universitäten Birmingham und Oxford sowie des „Birmingham and Solihull Mental Health Foundation Trust“ den therapeutischen Effekt von Lachgas-Inhalationen – und konnte bestätigen: Diese ungewöhnliche Therapie erzielt schnell signifikante Effekte – bei vergleichsweise milden Nebenwirkungen.
Veröffentlicht wurde ihre Arbeit im peer-reviewten Fachjournal „eBioMedicine“, einer Publikation aus der Lancet-Gruppe. In ihre Analyse bezogen die Forscher sieben klinische Studien sowie vier Studienprotokolle mit ein. Insgesamt werteten sie Daten von 247 Patienten mit bestätigten depressiven Störungen aus; in den Studien hatten die Probanden entweder ein Sauerstoff-Gemisch mit entweder 25- oder 50-prozentigem Lachgasanteil in einer oder mehreren Sitzungen inhaliert; die Vergleichsgruppen erhielten Inhalationen mit normaler Luft, reinem Sauerstoff oder Midazolam.
Gepoolte Daten aus drei klinischen Studien und vier Studienprotokollen, in denen den Patienten ein 50-prozentiges Lachgas-Gemisch in nur einer einzigen Sitzung verabreicht wurde, erzielten das beste Ergebnis: Schon nach zwei Stunden und auch nach 24 Stunden waren die typischen Depressions-Symptome signifikant verringert. Einer Woche später war der stimmungsaufhellende Wirkung der therapeutischen Inhalationen allerdings verflogen. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel oder Erbrechen waren vorübergehend; lediglich bei der Therapie mit 50-prozentigem Lachgas-Gemisch stellten sich vermehrt auch Kopfschmerzen ein. Bei wiederholten Inhalationen über mehrere Wochen hinweg blieb auch die stimmungsverbessernde Wirkung länger erhalten.
Die Wissenschaftler vermuten, dass Lachgas, ähnlich wie das anti-depressiv wirkende Narkose-und Schmerzmittel Ketamin, das Glutamat-System im Gehirn beeinflussen und NMDA-Rezeptoren, die für den Kalzium-Einstrom in Nervenzellen sorgen, blockieren kann. Sie weisen aber auch darauf hin, dass viele Studien bisher nur Kurzzeit-Effekte der Inhalationstherapie untersucht haben und halten weitere Studien mit längerer Therapie-Dauer für dringend nötig.
Mein Senf dazu: Was zunächst skurril klingt, könnte ein ernstzunehmender, nebenwirkungsarmer und kostengünstiger Ansatz zur Behandlung von therapie-resistenten Depressionen zu sein. Wer aber nicht auf seine Lachgas-Therapie auf Rezept warten will: Auch andere Faktoren, z.B. Aminosäuren oder Vitamin D, können ein positive Wirkung auf ein trauriges Gehirn entfalten und die Stimmung boostern. Warum und wann Tests sinnvoll sind, lesen Sie hier:
Quellen:
Gill K, de Cates AN, Wiseman C, Murphy SE, Williams E, Harmer CJ, Morales-Muñoz I, Marwaha S. Nitrous oxide for the treatment of depression: a systematic review and meta-analysis. EBioMedicine. 2025 Nov 30:106023. doi: 10.1016/j.ebiom.2025.106023. Epub ahead of print. PMID: 41326290.
https://www.thelancet.com/journals/EBIOM/article/PIIS2352-3964(25)00467-0/fulltext
Über die Autorin:
Marion Meiners ist ausgebildete Verlagskauffrau und Journalistin und arbeitete viele Jahre für Zeitschriften als Redakteurin für Gesundheit und Ernährung. Zusammen mit Labor-Professor Hans-Peter Seelig schrieb sie das Buch „Laborwerte klar und verständlich“.
Ihre Begeisterung für Medizinthemen entdeckte sie in frühen Berufsjahren, nachdem ihr eine Verwandte einen Pschyrembel schenkte. Seither heißt ihr digitales „Wohnzimmer“ PubMed und die Faszination für die Ursachen-Fahndung bei Krankheiten sowie die Effekte von Ernährung und Lebensstil auf die Gesundheit hält an.
Das sagt sie über ihre Tätigkeit:
„Alles hängt mit allem zusammen im Körper. Das ist leider in unserer „Schubladen“-Medizin noch nicht so ganz angekommen. Ein Nährstoffmangel kann etwa ebenso fatale Auswirkung auf alle Organsysteme haben wie z.B. ein kranker Zahn. Umgekehrt kann schon eine veränderte Zusammenstellung der Makro-oder Mikronährstoffe in der Ernährung gigantische therapeutische Effekte entfalten. Welche, und wie gut belegt diese sind – darüber möchte ich informieren.“
