Vor allem Frauen (und zwei Prozent der Männer) kennen diese fiesen Dellen an den Beinen und am Po… Cellulite heißt das Schreckenswort, das oft mehr gefürchtet wird als Hüftgold-Röllchen oder „Winke-Arme“.
Die Gene sind schuld an den Dellen im Bindegewebe, heißt es. Oder das Altern. Oder irgendwie die Hormone. Oder das Übergewicht… Viele Erklärungsansätze für die unschöne „Orangenhaut“ sind seit Jahren im Umlauf. Ebenso viele Begriffe gibt es für sie, etwa „Dermopanniculosis deformans“, „Gynoid Lipostrophy“ oder, wenig charmant, „Cottage Cheese Thighs“ (Hüttenkäse-Oberschenkel). Und stets wird darüber „aufgeklärt“, dass es sich bei der Berg-und Tal-Landschaft im Bindegewebe um ein rein kosmetisches Problem handelt.
Dabei finden Wissenschaftler zunehmend Anhaltspunkte dafür, dass einer „harmlosen“ Cellulite krankmachende Prozesse zugrunde liegen können. Als (Mit-)Verursacher gelten latente chronische Entzündungen, Gefäß-und Durchblutungsstörungen oder zu hohe Insulinspiegel durch Kohlenhydrat-Mast. Denn letzteres fördert die Insulinresistenz und beschleunigt die Fettzellbildung. Immer mehr Studien kratzen deshalb am gängigen Dogma „Es ist nur ein kosmetisches Problem.“ Und: „Dagegen kann man wenig tun.“ Wirklich?
Forscher der Bundesuniversität von Sao Paolo (Brasilien) identifizierten in einer Querschnittsstudie mit 184 12-bis 18-jährigen Mädchen unter anderem Übergewicht, (zu) hohen Kohlenhydratverzehr und Bewegungsmangel als Risikofaktoren für die Entstehung von Cellulite. Publiziert wurde die Studie im „International Journal of Dermatology“. Ebenso kam eine Arbeitsgruppe um den plastischen Chirurgen Allen Gabriel von der kalifornischen Universität Loma Linda (USA) im „Aesthetic Surgery Journal Open Forum“ zu dem Schluss, dass eine High Carb-Ernährung sowie Bewegungsmangel die Entwicklung und die Ausprägung einer Cellulite negativ beeinflusst.
Und in einem Review im Fachjournal „Cureus“ erklärten griechische Wissenschaftler eine Ernährung, die auf Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index basiert, für sinnvoll, da dadurch ein hormonelles Ungleichgewicht reguliert und Cellulite vermindert werden könne. „Die Insulinempfindlichkeit durch die Ernährung und regelmäßige Bewegung zu verbessern ist entscheidend“, urteilen die Autoren.
Und wo ist der Beweis, dass die Low Carb-Ernährung tatsächlich auch „Hüttenkäse-Oberschenkel“ glätten und straffen kann? Zumindest für Frauen mit Lipödem, das quasi eine Art schmerzhafter Cellulite mit druckempfindlichen Dellen im Fettgewebe ist, gibt es deutliche Hinweise auf einen Nutzen einer Low Carb/High Fat-Ernährung. Einer Metaanalyse brasilianischer Forscher zufolge hatten sich dadurch bei 329 Frau mit Lipödem in einer fast 16-wöchigen Nachbeobachtungszeit der BMI, das Körpergewicht, der Taillen-und Hüftumfang sowie auch die Schmerzen deutlich verringert (erschienen in „Nutrients“). Auch weitere Studien zeigen deutliche – und vor allem anti-entzündliche – Effekte ketogener Low Carb-Ernährungsformen.
Soweit also zum Thema „Dagegen hilft nichts wirklich.“
Mein Senf dazu: Wieder einmal zeigt sich, welche komplexen Folgen latente Entzündungen haben können – und wie segensreich sich eine simple Ernährungs-Korrektur auswirken kann. Einfach mal weniger Carbs und dafür mehr Eiweiß und Fett futtern und das Ganze mit mehr Bewegung würzen – schon wirft der Körper sein Selbstreparatur-Programm an...
Mehr zum verharmlosten Problem Cellulite:
https://www.strunz.ch/news/cellulite-mehr-als-ein-schoenheitsproblem.html
Quellen:
Sanlier N, Baltacı S. Therapeutic Applications of Ketogenic Diets in Lipedema: A Narrative Review of Current Evidence. Curr Obes Rep. 2025 May 26;14(1):49. doi: 10.1007/s13679-025-00642-y. PMID: 40419722; PMCID: PMC12106162
Amato ACM, Amato JLS, Benitti DA. The Efficacy of Ketogenic Diets (Low Carbohydrate; High Fat) as a Potential Nutritional Intervention for Lipedema: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2024 Sep 27;16(19):3276. doi: 10.3390/nu16193276. PMID: 39408242; PMCID: PMC11478561.
Allen Gabriel, Vivian Chan, Marissa Caldarella, Tanya Wayne, Erin O’Rorke, Cellulite: Current Understanding and Treatment, Aesthetic Surgery Journal Open Forum, Volume 5, 2023, ojad050, https://doi.org/10.1093/asjof/ojad050
Adamidis N, Papalexis P, Adamidis S. Exploring the Link Between Metabolic Syndrome and Cellulite. Cureus. 2024 Jun 29;16(6):e63464. doi: 10.7759/cureus.63464. PMID: 38947139; PMCID: PMC11214470.
Soares JLM, Rocha VA, Sanudo A, Miot HA, Bagatin E. Prevalence and factors associated with gynoid lipodystrophy in Brazilian adolescent girls: a cross-sectional study. Int J Dermatol. 2022 Jul;61(7):861-866. doi: 10.1111/ijd.16061. Epub 2022 Jan 26. PMID: 35080006.