Haben wir es doch geahnt: Stille Entzündungen und Immunprozesse im Körper stören auch den Stoffwechsel und die Fettverbrennung…Wer hartnäckig seine Rettungsringe in der Körpermitte oder das ausufernde Hüftgold nicht loswird, hat jetzt wohl eine (weitere) Entschuldigung: Das Immunsystem ist schuld! Abwehrzellen auf dem Kriegspfad blockieren den Fettabbau.

Diese Schlussfolgerung zog zumindest jetzt ein Forscherteam der University of California San Diego School of Medicine (USA) in einer interessanten Mäusestudie, die sie in „Nature“ publizierten. Um herauszufinden, wie sich der Körper gegen übermäßigen Fettabbau in Stressphasen wie extremer Kälte oder Hungern schützt, gaben sie Mäusen ein Medikament – ein Beta-Adenorezeptor-Agonist –, das bei Mäusen denselben Stoffwechselweg aktiviert wie bei Kältereizen. Der Wirkstoff kann etwa die Herzfrequenz erhöhen, die Bronchien und Gefäße weiten und die Lipolyse im weißen Fettgewebe (Fettabbau) fördern; bei den Mäusen erzeugte er den Effekt, den auch Kälte oder in Teilen das Hungern erzeugt.

Nachdem diese künstlich erzeugte Stressreaktion aber nicht nur kurz, sondern Stunden anhielt, bemerkten die Wissenschaftler einen ungewöhnlichen Effekt: Neutrophile Granulozyten, die zu den Fresszellen des Immunsystems zählen und normalerweise Erreger wie Bakterien und Pilze bekämpfen, schwärmten in weißes Fettgewebe (die Polsterung in den so genannten „Problemzonen“) ein – speziell in das sogenannte viszerale Fett, das die inneren Organe umhüllt. Dort setzten sie den Entzündungsbotenstoff Interleukin-1-beta frei, der den Fettzellen signalisiert, den Abbau von Speicherfett zwecks Energiegewinnung zu verlangsamen. Was wiederum den Energieverlust durch übermäßigen Fettabbau hemmt.

Dieser Prozess überraschte selbst die Forscher. Sie vermuten, dass diese immunologische Fettabbau-Bremse evolutionäre Ursachen haben könnte: In längeren Hungerszeiten konnte es fatal für unsere Vorfahren sein, zu schnell zu viel Fett abzubauen und Energie zu verlieren. Womöglich leiden heute auch die abnehmwilligen Bewegungsmuffel mit den Extra-Pfunden darunter, dass ausgerechnet ihr Immunsystem die Fettspeicher gegen eine Schrumpfung verteidigt.

Die Autoren weisen noch darauf hin, dass eine solche Freisetzung von Botenstoffen auch die Insulinwirkung beeinflussen und möglicherweise eine Insulin-Resistenz sowie die Entwicklung eines Typ 2-Diabetes begünstigen könne.


Mein Senf dazu: Es ist nicht ganz unbekannt, dass eine zu kohlenhydratreiche und eiweißarme Ernährung Entzündungen im Körper begünstigt – und dass zu hohe Insulinspiegel den Fettabbau bremsen. Fun Fact: Auch das Bakterium Staphylococcus sowie Parasiten wie Anaplasmen (durch Zecken übertragen) können es sich in Neutrophilen gemütlich machen und die Immunabwehr stören. Was genau nun diese Abwehrzellen zur Verteidigung der Fettpölsterchen auf den Plan ruft, ist also nicht schlussendlich geklärt. Klar ist aber: Wer dauerhaft zu viele Kohlenhydrate sowie zu wenig Eiweiß isst, sich zu wenig bewegt und damit auch weniger Stress abbaut, hindert das Hüftgold am Schrumpfen. Und das ganz ohne den Einsatz besorgter Immunzellen.

Mehr dazu: https://www.strunz.ch/bauchspeck.html



Quellen:

Son, S., Xu, C., Fu, H. et al. Neutrophils preserve energy storage in sympathetically activated adipocytes. Nature 650, 718–726 (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-025-09839-6

https://www.medscape.com/viewarticle/surprise-finding-immune-system-may-keep-us-burning-fat-2026a100013f?form=fpf