Das haben Sie bestimmt auch schon oft gehört: „Für dieses Problem braucht es aber viel Hirnschmalz.“ Und sich vielleicht gefragt: Haben wir eigentlich Schmalz im Gehirn? Und nützt es der Denkleistung, mehr Schmalz zu essen?

Weil ich die Frage spannend fand, haben ich mich mal der Frage nach Schmalz und anderen Fetten im Gehirn gewidmet – und fand das Ergebnis faszinierend.

Beginnen wir mal mit dem Begriff an sich: Der Satz „Das kostet (nicht) viel Hirnschmalz“ ist bereits im Deutschen Sprichwörter-Lexikon, 1870 in Leipzig herausgegeben von Karl Friedrich Wanderer (Band 2), erwähnt. Somit vermutete man schon anno dazumal einen Zusammenhang zwischen Fett bzw. Schmalz, dem Gehirn und der Denkleistung. Schmalz steht üblicherweise für Schweineschmalz und galt einst als Schmiermittel für Zahnräder oder Maschinen, die „wie geschmiert“ ohne Widerstand laufen sollten. Annahme: Das Gehirn funktioniert wie eine Maschine: Wird es gut geschmiert, laufen die Denkprozesse reibungslos ab. „Hirnschmalz“ steht also für Denkfähigkeit, IQ und die Fähigkeit, Probleme zu lösen.

Und was hat es nun mit dem Schmalz auf sich? Zwar besteht unser Gehirn zu 60 Prozent aus Fett (bezogen auf die „Trockenmasse“ ohne das Hirnwasser) – aber Schmalz selbst kommt dort nicht vor. Dafür aber Cholesterin. Rund ein Viertel der fetten Hirnsubstanzen besteht aus Cholesterin, das so wichtig für kognitive Funktionen, Denkleistung und das Gedächtnis ist, dass es von den Hirnzellen selbst produziert wird. Auch Myelin, die fettige Schutz-Ummantelung der Nervenfasern, die neben Ölsäure auch Cholesterin enthält (mehr als 20 Prozent), zählt zu den Fetten im Oberstübchen.

Die Omega-3-Fettsäure Docosahexansäure (DHA), berühmt als Bestandteil von Fischöl, macht etwa 30 Prozent der Strukturfette in unserer Denkzentrale aus; als Bestandteil der Zellmembranen beschleunigt sie die elektrische Signalübertragung und sorgt für Gedanken-Blitze. Eicosapentaensäure (EPA) liegt dagegen nur in geringen Mengen vor. Zudem zählen noch Omega-6-Fettsäuren und verschiedene Phospholipide zum fetthaltigen Denkorgan.

Und wie kommt man nun zu mehr „Hirnschmalz“? Unter anderem dadurch, dass man über die Ernährung dem Gehirn wichtige Lipide für die Isolierung der Nervenbahnen liefert und dadurch die Denkgeschwindigkeit boostert: Nur die Hälfte der benötigten Fette für die Myelinbildung und -reparaturen stellen spezielle Gehirnzellen selbst her, der Rest wird aus dem Blutkreislauf gezapft. Wichtige Bausteine fürs Hirnfutter sind Cholesterin (z.B. in Rinderleber, Milchfetten), Phospholipide und Cholin (z.B. in Eigelb, Fleisch, Hering) sowie Omega-3-Fettsäuren (z.B. in Makrelen, Sardinen und Fischrogen).

Hat Schweineschmalz denn gar keinen Einfluss auf das Gehirn? Indirekt womöglich doch. Denn das Schmalz von Weideschweinen kann reichlich Vitamin D enthalten (je nach Quelle 500-1.000 IE/ 12,5- 25 µg pro Teelöffel), da Schweine wie auch Menschen beim Freiluft-Sonnenbad Vitamin D3 in der Haut synthetisieren. Und das Vitamin ist relevant für das Gehirn: Es fördert Nervenzell-Wachstum, schützt vor Schäden durch Gifte und Entzündungen und kann Demenz vorbeugen. Oder, wie es Forscher der amerikanischen Tufts-Universtität in Boston in einer Studie im Journal „Alzheimer´s & Dementia“ auf den Punkt bringen: Gehirne mit höherem Vitamin D-Spiegel funktionieren besser...




Quellen:

  • Agranoff BW, Benjamins JA, Hajra AK. Properties of Brain Lipids. In: Siegel GJ, Agranoff BW, Albers RW, et al., editors. Basic Neurochemistry: Molecular, Cellular and Medical Aspects. 6th edition. Philadelphia: Lippincott-Raven; 1999. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK28219/

  • Larson-Meyer DE, Ingold BC, Fensterseifer SR, Austin KJ, Wechsler PJ, Hollis BW, Makowski AJ, Alexander BM. Sun exposure in pigs increases the vitamin D nutritional quality of pork. PLoS One. 2017 Nov 14;12(11):e0187877. doi: 10.1371/journal.pone.0187877. PMID: 29136033; PMCID: PMC5685574.

  • Anjum I, Jaffery SS, Fayyaz M, Samoo Z, Anjum S. The Role of Vitamin D in Brain Health: A Mini Literature Review. Cureus. 2018 Jul 10;10(7):e2960. doi: 10.7759/cureus.2960. PMID: 30214848; PMCID: PMC6132681.

  • Shea MK, Barger K, Dawson-Hughes B, et al. Brain vitamin D forms, cognitive decline, and neuropathology in community-dwelling older adults. Alzheimer's Dement. 2023; 19: 2389–2396. https://doi.org/10.1002/alz.12836