Zum Einstieg erst mal ein Bekenntnis: Je mehr ich zu Bor recherchiere, desto faszinierter bin ich von dem Spurenelement und seiner antiseptischen Wirkung, speziell auch seiner Effekte gegen Pilze.
Und ein Disclaimer: Dieser Text dient lediglich der Information über die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Gesundheitsnutzen – und dem Hinweis, warum eine gute Bor-Versorgung über die Nahrung (oder über eine – noch – legale Nahrungsergänzung) wichtig ist. Und warum auch Blut-und Urintests bei Verdacht auf eine mögliche Mangelsituation sinnvoll sind. Die rechtliche Lage zu Bor-Präparaten ist nämlich komplex...
Zur Sache. Hartnäckig wiederkehrende Scheidenpilzinfektionen mit Hefepilzen wie Candida albicans oder auch Candida glabrata betreffen hierzulande mindestens zwei bis drei Millionen Frauen. Ursache ist u.a. eine Biofilm-Bildung durch die Pilze, mit der diese sich der Wirkung durch antimykotische Medikamente entziehen, oder die Pilze werden (oder sind es von Natur aus, wie z.B. oft Candida glabrata) resistent gegen viele Anti-Pilz-Wirkstoffe. Da hilft doch bestimmt Borsäure, oder nicht?
Forschung dazu ist nicht populär – eine Arbeitsgruppe um die Dermatologie-Professorin Ditte Marie Saunte vom Zealand University Hospital in Roskilde (Dänemark) hat es dennoch gewagt. In ihrem Review mit dem Titel „Borsäure für die Behandlung von Vaginitis: Neue Möglichkeiten für ein altes Infektivum“ (im Journal „Dermatologic Therapy“) kamen die Forscher nach der Auswertung von 41 klinischen Studien zu dem Ergebnis: Die durchschnittliche Heilungsrate für eine Behandlung von Scheidenpilzinfektionen mit Borsäure betrug 76 Prozent. Eine Erhaltungstherapie erzielte in einer retrospektiven Studie vergleichbare Resultate wie das orale Antimykotikum Itraconazol. Zudem konnte eine Borsäure-Monotherapie drei von sechs wiederkehrenden Trichomonas-Infektionen heilen.
Gemeint ist in dem Review eine Behandlung mit Borsäure-haltigen Vaginalzäpfchen. Die Autoren schlagen angesichts zunehmender Resistenzen der Erreger gegen herkömmliche antimikrobielle Wirkstoffe eine zweiwöchige Behandlung mit Borsäure-haltigen Scheidenzäpfchen (600 mg/Tag) bei wiederkehrender vaginaler Candidiasis vor.
Auch in einer früheren randomisiert-kontrollierten Studie von Medizinern des „All India Institute of Medical Sciences“ in New Delhi (2007 in „Diabetes Care“) mit 112 Diabetikerinnen, die unter Scheideninfektionen mit dem oft Azol-resistenten Hefepilz Candida glabrata litten, ergab: Nach 14 Tagen war durch die Anwendung Borsäure-haltiger Vaginalzäpfchen (600 mg/Tag) eine Heilung häufiger erzielt worden als mit einer einmaligen oralen Therapie mit 150 mg Fluconazol (63,6 vs 28,6 Prozent).
Trotz widersprüchlicher Studien seither (aber keine sprach der Borsäure den Anti-Hefepilz-Nutzen ab) ist die Behandlung mit Borsäure-Vaginalzäpfchen nicht überall verfügbar: In den USA und Nicht-EU-Ländern ist die Methode zumindest als Zweitlinien-Therapie erlaubt, in der EU nicht: In Europa wurden Borsäure und Borax (das Salz der Borsäure) als „reproduktionstoxisch“ eingestuft und sind seit 2010 verboten. Selbst aus Augentropfen und Kosmetik wurde Bor verbannt – Apotheken dürfen es nicht mehr verkaufen.
Was also tun, um seine Abwehr mit Bor aufzurüsten? Mehr Infos über weitere Wirkungen von Bor und wann man bei den Labormessungen auch an Bor denken sollte, in einer weiteren Meldung nächste Woche.
Quellen:
Lærkeholm Müller, Matilde, Damsted Petersen, Christina, Saunte, Ditte Marie L., Boric Acid for the Treatment of Vaginitis: New Possibilities Using an Old Anti-Infective Agent: A Systematic Review, Dermatologic Therapy, 2024, 2807070, 19 pages, 2024. https://doi.org/10.1155/2024/2807070
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/instance/1784796/pdf/9812253.pdfPrutting SM, Cerveny JD. Boric acid vaginal suppositories: a brief review. Infect Dis Obstet Gynecol. 1998;6(4):191-4. doi: 10.1002/(SICI)1098-0997(1998)6:4<191::AID-IDOG10>3.0.CO;2-6. PMID: 9812253; PMCID: PMC1784796
Ray D, Goswami R, Banerjee U, Dadhwal V, Goswami D, Mandal P, Sreenivas V, Kochupillai N. Prevalence of Candida glabrata and its response to boric acid vaginal suppositories in comparison with oral fluconazole in patients with diabetes and vulvovaginal candidiasis. Diabetes Care. 2007 Feb;30(2):312-7. doi: 10.2337/dc06-1469. PMID: 17259500.
https://my.clevelandclinic.org/health/drugs/19641-boric-acid-vaginal-suppository https://dmykg.ementals.de/wp-content/uploads/2015/08/1-4-1-vulvovaginalkandidose-2010.pdf