Wer sich heute umfassend über das Spurenelement Bor informieren will, hat es schwer: Die einen beteuern, es sei ein wahres Wundermittel für Knochen und Gelenke und sei relevant für einen gesunden Stoffwechsel. Die anderen erklären Bor als nicht essentiell – es seien keine Mangelerscheinungen bekannt und außerdem lägen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) keine Beweise dafür vor, dass Bor lebensnotwendige Funktionen beim Menschen haben könnte.
So viel gilt als gesichert: Bor spielt eine entscheidende Rolle beim Kalzium-Einbau in die Knochen. Es reduziert die Ausscheidung von Kalzium über den Urin und fördert den Einbau von Kalzium und Magnesium in unser Gebein. Eine US-Studie aus 1985 zeigte, dass die tägliche Einnahme von 3 mg Bor (in Form von Borax) die Kalzium-Ausscheidung über den Urin um 44 Prozent verringerte; somit war im Körper mehr Kalzium für den Einbau in die Knochen verfügbar. Der genaue Mechanismus ist aber noch nicht schlussendlich geklärt.
Da dürfte aber mit hineinspielen, dass eine ausreichende Bor-Aufnahme den Vitamin D-Spiegel im Körper erhöhen kann. Forscher vermuten, dass Bor die (Über-)Aktivität des Mitochondrien-Enzyms 24-Hydroxylase hemmt, welches für die Inaktivierung von Vitamin D-Abkömmlingen sorgt. Bor kann somit, so wird vermutet, den Abbau von Vitamin D im Körper verhindern und dessen Halbwertszeit im Körper signifikant verlängern; auch die Ausscheidung des Vitamins über den Urin wird reduziert. Das hilft morschen Knochen.
So zeigte etwa eine serbische Pilotstudie (Milijkovic et al, 2004, im Journal „Medical Hypotheses“) mit 13 Vitamin D-defizienten Männern, dass durch die Gabe von 6 mg Bor (als Calciumfructoborat) ihr Vitamin D-Spiegel nach 60 Tagen um im Schnitt 20 Prozent angestiegen war.
Ein weiteres Indiz für den Nutzen von Bor zeigte der britische Arzt und Forscher Rex E. Newnman aus Leeds in den 1980er-Jahren auf, als er erstmalig den Zusammenhang von Bor-reichen Böden und Wasser sowie Arthrose aufzeigte: Er stellte durch Untersuchungen fest, dass in Bor-armen Regionen deutlich mehr Menschen mit Arthrose oder Rheumatoider Arthritis lebten als in Bor-reichen Regionen.
So fand der Mediziner z.B. in Jamaica und Mauritius Bor-arme Böden vor – und eine Arthrose-Rate von 70 bzw. 50 Prozent bei der Bevölkerung. Die Bor-Aufnahme über die Ernährung betrug dort weniger als 1 mg/Tag. In Bor-reichen Gegenden in Israel (5-8 mg Bor-Aufnahme pro Tag), Australien (Carnavon, 6-10 mg/Tag) und Neuseeland (Ngawha, mehr als 10 mg/Tag Bor-Zufuhr) betrug dagegen die Arthrose-und Arthritis-Rate 0,7/1/0 Prozent… Als Kontrollgruppe nutzte der Forscher Daten aus den USA, Großbritannien und Südafrika, wo die Menschen im Schnitt 1-2 Milligramm Bor täglich aufnehmen – und im Schnitt jeder fünfte Bewohner Arthrose hat.
Nicht essentiell? Entscheiden Sie selbst – und greifen Sie zu: Bor steckt vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln. Ausnahme: Echter Kaviar, da Borsäure (E284) und Borax (E285) dafür als Lebensmittelzusatzstoffe erlaubt sind. Wer es mag: Nur ein Gramm echter Kaviar enthält schon 4 Milligramm Bor…Bei pflanzlichen Lebensmitteln sind Dörrpflaumen (2,7 mg/100g) Rosinen (25 mg/100g) und Erdnüsse (18 mg/100 g) die Bor-Stars. Und weil’s die Menge macht: Mit einer Tasse Kaffee trinken Sie auch 0,07 mg Bor….
Quellen:
Nielsen FH, Hunt CD, Mullen LM, Hunt JR. Effect of dietary boron on mineral, estrogen, and testosterone metabolism in postmenopausal women. FASEB J. 1987 Nov;1(5):394-7. PMID: 3678698.
Miljkovic D, Miljkovic N, McCarty MF. Up-regulatory impact of boron on vitamin D function -- does it reflect inhibition of 24-hydroxylase? Med Hypotheses. 2004;63(6):1054-6. doi: 10.1016/j.mehy.2003.12.053. PMID: 15504575.