Kennen Sie schon das Bauchmuskel-Hirn-Hydrauliksystem in Ihrem Körper? Nein? Dann haben Sie jetzt nach dem Lesen dieser Studie wieder etwas Neues gelernt – und werden sicherlich sofort einige Crunches, Planks oder Sit-ups in der Mittagspause absolvieren. Nicht nur dem straffen Bauch, sondern einem fitten Oberstübchen zuliebe...Denn Forscher der amerikanischen Pennsylvania State University haben einen verblüffende Methode entdeckt, wie Sie Ihr Gehirn „entmüllen“ und vor Schäden schützen können: Spannen Sie einfach die Bauchmuskeln an!

Für ihre Tierstudie, die kürzlich im renommierten Fachjournal „Nature Neuroscience“ publiziert wurde, setzten die Forscher Versuche mit Mäusen und Computersimulationen ein, um herauszufinden, wie körperliche Aktivität die Hirngesundheit fördert. Dazu implantierten sie 24 Mäusen Elektromyographie-Elektroden in die Bauchmuskeln und überwachten gleichzeitig die Hirnbewegung der Mäuse beim Laufen mithilfe spezieller Bildtechniken wie der Mikro-Computertomographie und der Zwei-Photonen-Fluoreszenz-Mikroskopie.

Auf diese Weise entdeckten die Forscher eine veränderte Hirnbewegung, die bei den Tieren einsetzte, nachdem sie mit dem Laufen begannen – und nachdem sie dafür ihre Muskeln anspannten. Um festzustellen, ob wirklich nur, wie vermutet, die Bauchmuskeln für diese Hirnbewegung verantwortlich sind, wurden die Mäuse sediert und die Forscher übten einen leichten Druck auf den Bauch der reglosen Tiere aus. Alleine infolge dieser leichten Reizung der Bauchmuskeln „verschob“ sich das Mäusegehirn ein kleines bisschen – und kehrte in die vorherige Position zurück, nachdem die softe Bauchmassage beendet war.

Die Erklärung für diese Phänomen? „In dieser Studie haben wir herausgefunden, dass die Bauchmuskeln, wenn sie sich zusammenziehen, Blut aus dem Bauchraum in das Rückenmark drücken, genau wie in einem hydraulischen System, indem sie Druck auf das Gehirn ausüben und es in Bewegung setzen“, erklärt Patrick Drew, korrespondierender Autor der Studie und Professor an der Penn State University. Und: „Simulationen zeigen, dass diese sanfte Gehirnbewegung die Flüssigkeitsbewegung in und um das Gehirn antreibt.“

Der Forscher vergleicht diesen Mechanismus mit Hydraulik-Systemen: Die Bauchmuskeln dienen als Pumpe, die schon bei kleinsten Bewegungen wie dem Aufstehen oder einem simplen Schritt Druck erzeugt, der dann über ein spezielles Venen-System, den vertebralen Venenplexus, weitergeleitet wird. Dieses Venengeflecht, Teil eines venösen Drainagesystems im Rückenmark, verbindet somit den Bauch mit der Wirbelsäule und dem Rückenmark, was infolge zur Bewegung des Gehirns und zur verstärkten Flüssigkeitszirkulation in und um die grauen Zellen führt. Und das wiederum fördert den Abtransport von Zellmüll und Schadstoffen –und kann somit das Oberstübchen fit und gesund halten.

Lange Botschaft kurz: Use it or lose it – das gilt für Muskeln ebenso wie für das Gehirn! Und für effektives Brain-Detox einfach mal ein paar Schritte mehr gehen oder zehn Minuten länger laufen – und wenn Sie schon sitzen müssen, dann bitte gerade und dabei die Bauchmuskeln anspannen!




Quellen:

Garborg, C.S., Ghitti, B., Zhang, Q. et al. Brain motion is driven by mechanical coupling with the abdomen. Nat Neurosci (2026). https://doi.org/10.1038/s41593-026-02279-z

https://www.psu.edu/news/research/story/hydraulic-brain-body-motion-linked-fluid-movement-brain