Die Arachidonsäure hat keinen besonders guten Ruf. Oft wird sie fast ausschließlich mit Entzündungen in Verbindung gebracht und damit schnell als „problematisch“ abgestempelt. Doch so einfach ist es nicht.
Tatsächlich ist die Arachidonsäure eine wichtige Fettsäure in unserem Organismus. Sie erfüllt zahlreiche lebenswichtige Funktionen und ist an vielen Regulationsprozessen beteiligt. Ohne sie würde einiges in unserem Körper nicht rund laufen.
Was ich in meiner Praxis immer wieder feststelle: Früher habe ich in Fettsäureanalysen sehr häufig erhöhte Werte gesehen. Die sehe ich auch nach wie vor noch. Aber heute begegnet mir dagegen gar nicht so selten auch ein Mangel an Arachidonsäure. Daher möchte ich nun einmal eine Lanze brechen für diese Fettsäure.
Chemisch gehört Arachidonsäure zu den sogenannten mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren. Sie kommt vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst und Eigelb vor. Gleichzeitig ist der menschliche Körper in der Lage, sie selbst aus anderen Fettsäuren, z. B. Linolsäure, herzustellen.
Eine der zentralen Aufgaben der Arachidonsäure liegt im Aufbau der Zellmembranen, genau gesagt in den Phospholipiden. Jede Zelle unseres Körpers ist von einer Membran umgeben, die ihre Struktur stabilisiert und den Austausch von Stoffen reguliert. Arachidonsäure ist ein wichtiger Bestandteil dieser Membranen, insbesondere in Zellen des Gehirns, der Muskulatur und des Immunsystems. Ohne sie könnten viele Zellfunktionen nicht reibungslos ablaufen.
Darüber hinaus dient Arachidonsäure als Vorstufe der Eicosanoide. Aus diesen baut der Körper wichtige Signalstoffe, wie Prostaglandine, Leukotriene und Thromboxane. Diese spielen eine entscheidende Rolle bei der Steuerung zahlreicher Prozesse im Körper. Dazu gehören unter anderem Entzündungsreaktionen, die Aktivität des Immunsystems inkl. der Mastzellen, die Blutgerinnung sowie die Regulation der Blutgefäße. Auch Schmerz- und Fieberreaktionen werden durch diese Signalstoffe beeinflusst.
Gerade die Beteiligung an Entzündungsprozessen hat der Arachidonsäure ihren schlechten Ruf eingebracht. Doch Entzündungen sind keineswegs grundsätzlich schädlich, eher im Gegenteil. Sie sind ein essenzieller Teil unserer Abwehrmechanismen. Wenn wir uns verletzen oder eine Infektion haben, sorgt eine Entzündungsreaktion dafür, dass schneller Krankheitserreger bekämpft und geschädigtes Gewebe repariert werden. Ohne diese Reaktionen wäre unser Körper schutzlos. Problematisch sind vor allem chronische Entzündungen.
Ein weniger bekannter, aber spannender Aspekt, der auch die Arachidonsäure betrifft, ist die ihre Rolle im Brust- und Schilddrüsengewebe. Dort kann sie nämlich als Ausgangsstoff für sogenannte Iodolaktone dienen. Dabei handelt es sich um Verbindungen, die entstehen, wenn Arachidonsäure mit Jod reagiert. Besonders das sogenannte 6-Iodolakton wird in der Forschung diskutiert.
Also
Arachidonsäure + Jod = 6-Iodolakton
Diese Beobachtungen haben gezeigt, dass Jod im Körper nicht nur als Spurenelement wirkt, sondern über solche iodierten Fettmoleküle gezielt biologische Prozesse beeinflussen kann. Sie können Zellwachstum bremsen und natürliche Zelltod-Prozesse (Apoptose) unterstützen.
Problematisch wird es vor allem, wenn die Balance im Fettsäurestoffwechsel gestört ist. In der modernen westlichen Ernährung nehmen immer noch viele Menschen relativ große Mengen an Omega-6-Fettsäuren inkl. Arachidonsäure auf, während gleichzeitig die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren oft zu gering ist. Da Omega-3-Fettsäuren eher entzündungshemmend wirken, kann ein Ungleichgewicht dazu führen, dass entzündungsfördernde Prozesse überwiegen.
Dennoch sollte bei einer Therapie mit Omega-3-Fettsäuren nicht nur auf die DHA-, EPA- und ALA-Spiegel geschaut werden, sondern immer auch die anderen Fettsäuren im Blick gehalten werden.
Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an Arachidonsäure sind ungünstig.
Quellen:
Gärtner R, Rank P, Ander B. The role of iodine and delta-iodolactone in growth and apoptosis of malignant thyroid epithelial cells and breast cancer cells. Hormones (Athens). 2010 Jan-Mar;9(1):60-6. doi: 10.14310/horm.2002.1254. PMID: 20363723.
Rösner H, Torremante P, Möller W, Gärtner R. Antiproliferative/cytotoxic activity of molecular iodine and iodolactones in various human carcinoma cell lines. No interfering with EGF-signaling, but evidence for apoptosis. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2010 Jul;118(7):410-9. doi: 10.1055/s-0029-1225615. Epub 2009 Oct 2. PMID: 19802778.