Spannender Ansatz, der mal nicht aus der Antikörper-Forschung kommt: In einer vorklinischen Studie schaffte es ein kupferbasiertes Medikament, das Kupfer in das Gehirn transportiert, innerhalb von 56 Tagen, die toxischen Amyloid-Plaques bei speziell gezüchteten Versuchsmäusen um 42 Prozent zu reduzieren und die kognitiven Funktionen, vor allem das räumliche Langzeit-Gedächtnis, um 44 Prozent zu verbessern.

Das Interessante daran: Dieses Medikament – Cu(ATSM) –hat bereits (klinische) Sicherheitsstudien zu anderen neurologischen Erkrankungen wie Parkinson und ALS durchlaufen und könnte damit beschleunigt in klinischen Studien mit Patienten weiter geprüft werden und auch schneller als Therapie verfügbar sein.

Um dieses Medikament für die Tierstudie zu finden, hatte das Forscherteam um Professor Joseph Nicolazzo und Dr. Jae Pyun von der Monash University in Melbourne (Australien) gezielt nach einem Wirkstoff gesucht, der Kupfer ins Gehirn transportieren und einen dort herrschenden Kupfermangel beheben kann. Dadurch sollte, so die Hypothese, die Schadstoffentsorgung im Gehirn sowie der Abbau der Plaques gefördert werden. Publiziert wurde ihre Arbeit im Fachjournal „ACS Chemical Neuroscience“.

Das Ergebnis ihrer Zellkultur-Voruntersuchungen und des Mäuse-Versuchs, bei der die Tiere 56 Tage lang täglich die Kupferverbindung (30 mg/kg Körpergewicht) als Trinklösung verabreicht bekamen: Der Kupfer-Wirkstoff steigerte die Aktivität spezieller Pumpen (P-Glykoprotein-Pumpen), die sich u.a. in den Kapillarendothelgefäßen der Blut-Hirn-Schranke finden, um 24 Prozent. Was wiederum für eine verbesserte „Müllabfuhr“ giftiger Stoffe aus dem Gehirn sorgte und den Abtransport der giftigen Amyloid-beta-Proteinen erhöhte. Ein Kupfermangel im Gehirn gilt als verantwortlich für eine Fehlfunktion dieser „Entgiftungspumpen“.

Das Medikament half somit dem Gehirn bei der Selbstreparatur der gestörten Entgiftungspumpen und förderte den Abtransport von toxischen Substanzen aus dem Gehirn zurück ins Blut, was in der Studie mit verbesserten kognitiven Funktionen bei den Versuchstieren einherging. Der getestete Kupfer-Komplex hat nach bisherigen Studien-Erkenntnissen eine entzündungshemmende, nervenschützende und antioxidative Wirkung.

Was nicht in dem Paper steht: Der Kupfer-Komplex Cu(ATSM) zeigte in früheren Untersuchungen auch beachtliche antimikrobielle Eigenschaftern – und wirkt z.B. gegen den Gonorrhoe-Erreger (Neisseria gonorrhoeae) 100-mal stärker als Kupfer-Salz alleine (australische Studie der University of Queensland). Und: Wirkstoffe dieser Gruppe haben auch eine starke anti-fungale Wirkung, z.B. gegen Hefepilze wie Candida oder gegen Aspergillus, die in Obduktionsstudien in den Gehirnen verstorbener Alzheimer-Patienten nachgewiesen wurden…

Mein Senf dazu: Wieder mal ein Beweis, wie wichtig Kupfer bei der Immunabwehr ist. Kupferspiegel gut – alles gut, auch im Oberstübchen? Tipp: Bei neurologischen Problemen, chronischen Infektionen oder Blutarmut auch einmal Kupfer und Zink (Gegenspieler von Kupfer) testen lassen.




Quellen:

https://www.monash.edu/news/articles/copper-drug-restores-memory-and-clears-toxic-alzheimers-proteins

https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acschemneuro.6c00252

Karrera Y Djoko, Brett M Paterson, Paul S Donnelly, Alastair G McEwan, Antimicrobial effects of copper(II) bis(thiosemicarbazonato) complexes provide new insight into their biochemical mode of action, Metallomics, Volume 6, Issue 4, April 2014, Pages 854–863, https://doi.org/10.1039/c3mt00348e